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von Heike Klauß und Sven Hörberg Für die Nur-Text-Version hier klicken
26.12.94 Sven berichtet:
Ich packe nachmittags das Gepäck im Hochdach vom VW-Bus, aber der
Schlitten mit dem wir im hohen Atlas Schlitten fahren wollen will nicht
mehr so richtig hinein passen. Wir fahren dann los nach Schenefeld, wo
ich wohne aber schon kurz vorm Heidacker merken wir, daß die Heckklappe
sperrweit offen steht.
31.12.94 Heike berichtet:
21:30 Uhr Abfahrt Schenefeld zur Silversterparty von Britta und Ulf bei
6° C.
1.1.1995 Sven berichtet:
Es ist jetzt 1:07 Uhr. Wir haben noch Kühlwasserrohrreste vom Baumacker
geholt. Falls einer der selbstgezimmerten Schläuche des Kühlwasserkreislaufes
kaputt geht, können wir damit flicken. Heike fährt jetzt.
Heike berichtet:
Es ist jetzt 10:48 Uhr. Ich bin gerade aufgestanden, wir sind aber schon
weitere 145 km von Dammer-Berge-Raststätte bis zur Raststätte
Lichtendorf (Kamener Kreuz) gefahren. Zur Zeit schneit es ein wenig und
es ist leicht windig. Gestern abend bin ich noch ca. 170 km bis Cloppenburg
gefahren. Die Autobahn war leer, und es war ein gutes Fahren. Der Wagen
ist durch die Beladung träger geworden, so daß wir im Schnitt
10-15 km/h langsamer fahren als normalerweise. So liegt unsere Durchschnittsgeschwindigkeit
bei 90 km/h bei einem geschätzten Verbrauch von 15 Liter (normal:
9 Liter)!!! Das erste mal haben wir in Hagen an einer Automatentankstelle
in einem Industriegebiet getankt, die wir doch schon 20 Minuten, nachdem
wir von der Autobahn abgefahren waren, gefunden hatten. Autobahntankstellen
meiden wir grundsätzlich.
Sven ist gestern abend noch ca. 30 km von Cloppenburg bis Lohne/Dinklage
gefahren, bis ihn dann doch die Müdigkeit übermannte, so daß
sein überaus heldenhafter Tatendrang und Fahreifer in seine natürlichen
Schranken gewiesen wurde. Aus Solidarität war es mir natürlich
nicht anders möglich, als mich ebenfalls schlafen zu legen.
Sven berichtet, ca. 17 Uhr: Wir sind jetzt hinter Trier (wo wir bei McDonalds
gespeist haben) und finden keine Tankstelle mehr. Das Gaspedal klemmt etwas,
und springt nicht mehr richtig in Leerlaufstellung zurück. In einer
Panikaktion schraube ich vorne unter dem Gaspedal das Gehäuse ab (und
alle Schrauben gehen überraschenderweise ganz leicht los...), öle
den Gaszug und - es scheint zu funktionieren. Heike kocht Kaffee. Es ist
jetzt 17:15 Uhr und immer noch recht hell für die Jahreszeit. Wir
fahren ja auch nach Südosten.
2.1.1995 Sven berichtet:
Nachdem nachts ein fürchterlicher Schneesturm tobte, so daß
der ganze VW-Bus gewackelt hat (viel Sturm, wenig Schnee), war das Wetter
morgens sonnig, aber kalt. Wir haben an der Route-National ca. 30 km vor
Lyon übernachtet. Die teure französiche Autobahnegebühr
wollen wir uns sparen. Heike ist gestern noch stundenlang (bis ca. 2 Uhr)
durch die Nacht gefahren. Unser Warmwasser hatte sich bis auf 62° C
erwärmt, war aber morgens auf 27° C abgekühlt. Ich habe einen
30-Liter-Kanister über eine Pumpe und ein "Scheibenwasservorwärmungsgerät"
so angeschlossen, daß während der Fahrt das Wasser durch den
Kühlwasserkreislauf erwärmt wird. So haben wir immer warmes Wasser
(wenn wir gefahren sind).
Ungefähr um 10:45 Uhr sind wir in Lyon angekommen, ziemlich genau
an der Stelle, wo Heike vor einiger Zeit im Urlaub war. Erst sind wir schnurstracks
zu McDonalds gelaufen, um die Toiletten, und nur die, in Anspruch zu nehmen.
Kurz vor Lyon wurden wir ja von einem anderen McDonalds enttäuscht,
der noch zu hatte. Dann zeigt mir Heike noch einige Stellen, die Ihr von
Ihrem Aufenthalt im Herbst 1993 noch bekannt sind. Wir schlendern noch
über den Markt, wo wir eine Nagelbürste, Sicherheitsnadeln ein
Haarfänger für den Duschabfluß (zu Hause) sowie ein kleines
Portemonnaie für Heike kaufen. Dann kaufen wir noch Brot. Zurück
am Wagen kochen wir erst einmal Kaffee.
Wir irren zur Autobahn, fahren natürlich erst in die falsche Richtung
einen Berg hoch. Heike schmiert mir Baguettes, so frühstücken
wir während der Fahrt. Danach setzt sich Heike wieder ans Steuer.
Ca. um 16 Uhr, während ich gerade hinten im Wohnteil herumhantiere,
wird die durch Ortschaften rasende Heike von der Polizei herausgewunken.
Eine Frau stellt uns ein paar Fragen, wo wir herkommen, wo wir hin wollen,
warum wir gerade diese Provinz besuchen, und wie uns die Landschaft gefällt.
Dann dürfen wir weiterfahren. Uff, das war zum Glück nur eine
Touristenumfrage.
Plötzlich ändert sich die Landschaft und wird sehr südländisch.
Heike fährt durch den Berufsverkehr von Nîmes und Montepellier;
in den Kreisverkehren wird mir immer ganz anders, vorallendingen dann,
wenn sie die linke Spur nimmt um schneller voranzukommen. Hinter Montepellier
setze ich mich wieder ans Steuer. Seit ca. 18 Uhr ist es dunkel. Die Straßen
sind leer, es läßt sich gut fahren. Heike legt sich bald nach
hinten und schläft. Kurz vor der spanischen Grenze kann man die Pyrenäen
erahnen. (Es ist Neumond.) Heike wacht auf, und muß unbedingt aus
einem hell leuchtenden Cola-Automaten zwei Dosen Cola kaufen. So haben
wir wenigstens Kleingeld zum telefonieren, was wir dann auch noch tun.
Als ich im Wagen sitze und auf Heike warte, fällt mir auf, daß
die gelbe Vorglühkontrolleuchte manchmal kurz flackert. Wahrscheinlich
ist ein Kabel lose. Wir fahren über die Grenze und dann einen kleinen
Weg hinunter in den Wald. Ich muß Heike überreden über
Nacht dort zu bleiben, weil sie Angst vor "baskischen Separatisten"
hat. Sie besteht darauf, daß ich das Radio aus der Halterung nehme
weil ja sonst dunkle Gestalten aus diesem einsamen Wald angelockt werden
könnten.
Wir bauen die Dusche auf, und duschen noch, es funktioniert ganz gut. Unsere
Dusche ist eine Art zusammenfaltbares Riesenkondom, welches man innen im
VW-Bus aufstellen kann. Unsere Gasheizung ist auch als Haarföhn ganz
passabel zu gebrauchen.
3.1. Sven berichtet:
Morgens scheint die Sonne, aber es ist kalt. Ein paar Pfützen sind
zugefroren. Wir räumen den Bus auf und frühstücken mit Rührei
und aufgebackenen Brötchen. Der Backofen funktioniert ganz gut, nachdem
er bei der ersten Inbetriebnahme den ganzen Bus eingenebelt hat. Er ist
zwar ziemlich klapprig aber insgesamt gesehen erfüllt er doch seinen
Zweck. Es handet sich im Prinzip um eine faltbare Blechschachtel mit Ofenrost,
die man auf den Herd stellt.
Gegen zwei Uhr mittags fahren wir dann los. Heike sitzt am Steuer. Im Hintergrund
sehen wir die Pyrenäen mit verschneiten Gipfeln. Bei dem Versuch sie
zu fotografieren, verfahren wir uns in den engen Gäßchen von
Figueras, die Heike aber gut meistert. Gegen 15:30 Uhr tanken wir und füllen
unsere Wasserkanister wieder auf. Heike macht die Fenster sauber und würde
am liebsten noch das ganze Auto waschen. Während ich Tagebuch schreibe,
fahren wir aus Versehen nach Barcelona hinein. Heike wendet im chaotischen
Stadtverkehr, irgendwann finden wir den richtigen Weg wieder. Rasende Motorradfahrer
schlängeln sich von allen Seiten an uns vorbei.
Heike berichtet:
Sven und ich verlassen kurz nach Barcelona die Landstraßen, haben
Cockpit-Wechsel gemacht und sind nun auf der wesentlich schöneren
und einfacher zu befahrenden Autobahn. Dort zahlen wir zwar die Autobahngebühren,
kommen aber auch wesentlich schneller voran.
Gerade haben wir Valencia hinter uns gelassen und noch einmal vollgetankt.
Sven läßt es sich nicht nehmen, die überteuerten Gebühren
für Lkws zu zahlen, wenn auch nur für eine Ausfahrt. Auf einmal
kam doch frecherweise die Gebührenkarte oben (Lkw-Schlitz) anstatt
unten (Pkw-Schlitz) heraus. Sven wundert sich noch, warum er sich dieses
mal so nach der Karte strecken muß, hat sich sonst aber nichts weiter
dabei gedacht. Direkt hinter dieser Mautstelle kommt eine richtige Polizeikontrolle,
die den Führerschein von Sven sehen will. Nur dadurch werde ich wach.
Wir sind kurz hinter Valencia.
Im Moment stehen wir auf einem Rastplatz, Sven geht einem persönlichen
Bedürfnis nach, während ich mich auf die Weiterfahrt vorbereite.
Wir haben das Ziel, noch bis Alicante zu kommen, um morgen Gibraltar bzw.
Algeciras erreichen zu können. Ob wir das schaffen??? Mal sehen ob
wir am 4. oder am 3. Tag übersetzen nach Marokko!!! Sven legt sich
nach hinten und schläft während ich fahre.
4.1.1995
Sven berichtet:
Als ich aufwache ist es schon 1 Uhr nachts. Wir tanken noch, ich fahre
wieder. Wir fahren noch bis kurz vor vier und übernachten in der Nähe
von Baza. Morgens stellt sich unser Übernachtungsplatz als ziemliche
Müllhalde dar. Im Schatten ist Rauhreif auf dem Gras.Wir fahren weiter
Richtung Algeciras. Teilweise sieht die Landschaft aus, wie auf dem Mond,
kurz später wieder wie in Skandinavien. Wir sind in der Sierra Nevada.
Irgendwann erreichen wir wieder die Küstenautovia (Eine Art Autobahn,
die aber nichts kostet). Kurz vor Algeciras kaufen wir in einem riesigen
Supermarkt noch ein paar Kleinigkeiten. Dann kaufen wir Fährtickets
und versuchen noch die 18-Uhr-Fähre zu erreichen, die wir aber knapp
verpassen.
Um 20 Uhr werden wir von einem unfreundlichen Spanier auf die Fähre
gelotst, der immer nach rechts zeigt, wenn ich geradeaus fahre, dafür
aber geradeaus zeigt, wenn ich nach rechts fahre. Der Typ bekommt dann
noch einen Wutanfall und markiert den wilden Mann, aber ich bleibe dann
da stehen wo ich bin, weil ich wirklich nicht weiß, was er nun will.
Auf der Fähre treffen wir noch einen Wiener, der eigentlich nach Tanger
will, aber das falsche Schiff erwischt hat. In Ceuta angekommen kurven
wir noch etwas durch den Hafen, und übernachten dann im Hafengelände
hinter drei anderen Wohnmobilen.
5.1.1995 Sven berichtet:
Nachts muß Heike noch auf Toilette. Die Klos sind aber alle abgeschlossen,
so irrt sie im Hafengelände hin und her und macht dann hinter eine
Palme als gerade niemand vorbeikommt. Hinter unserem Auto liegen einige
Marokkaner, die auf Decken schlafen.
Morgens fahren wir dann zur marokkanischen Grenze, mit der festen Absicht,
uns von keinem Marokkaner gegen Geld vollabern zu lassen. Das klappt auch
ganz gut, bis man die grüne Versicherungskarte von uns haben will,
die wir aber nicht besitzen, weil die blöde DBV-Versicherung sich
geweigert hat, diese für Marokko gültig zu schreiben. Eine Versicherung
in Marokko ist (angeblich) sehr teuer, aber ein aufdringlicher marokkanischer
Guide will uns für 200 Dirham Provision (ca. 36.- DM) eine Versicherung
in Ceuta zeigen, die deutlich billiger ist. Uns bleibt wohl nichts anderes
übrig, als auf den Kuhhandel einzugehen. Die Versicherung kostet immer
noch 200.- DM. (Im Reiseführer stand etwas von ca. 400 Dirham das
sind keine 80.- DM !) Als wir nach dem Grenzübertritt auf der marokkanischen
Seite Dirham eintauschen wollen, um unseren Guide auszuzahlen, tun wir
so, als ob wir nur Travellerschecks hätten, die die kleine Bank an
der Grenze natürlich nicht nimmt. Ich gebe unserem Guide dann unsere
letzten Peseten, die er auch nimmt. Wir kommen uns besonders geschickt
vor auf diese Weise etwas Geld gespart zu haben, als wir jedoch nachrechnen,
merken wir, daß wir statt der geforderten 36.- DM über 50.-
DM losgeworden sind. So ein Pech. Ansonsten war die Grenzkontrolle ziemlich
problemlos. Der Zöllner mußte zwar alles angrabbeln, und dachte
mein Deostift wäre ein Tränengasspray, aber nach ca. 5 Minuten
war er mit unserem Auto fertig.
Schon an der Grenze hatte man uns auf den großen
Berbermarkt in Tétouan aufmerksam gemacht, der nur einmal im Monat
stattfindet. Kurz vor Tétouan spricht uns an der Ampel von der Seite
ein marokkanischer Mopedfahrer an, erzählt uns auch von dem Markt
und verschwindet wieder. Wir denken schon, es gibt auch Marokkaner, die
einen nur aus Nettigkeit auf den Markt aufmerksam machen würden. Wie
zufällig treffen wir ihn an der nächsten Ampel wieder und an
den nächsten drei Ampeln auch. Er fährt immer vor uns her, und
zeigt uns einen "bewachten Parkplatz" auf dem wir parken könnten.
Der Parkplatz war ein ganz normaler Straßenrand, ein Wächter
mit goldener Plakette läuft dort herum. Wir fahren weiter, weil wir
auf einmal keine Lust mehr verspüren, den Markt zu besuchen und uns
von dem Typen vollabern zu lassen, um ihm dafür mit Sicherheit hinterher
auch noch Geld geben zu müssen. So fahren wir wieder in Richtung Hauptstraße.
Wir haben noch immer kein marokkanisches Geld, die Banken haben Mittagspause
und unser Tank ist auch nicht mehr besonders voll. Wir fahren nun weiter
in Richtung Chefchaouen. Der Sprit reicht wohl noch für die nächsten
60 km, und im Notfall haben wir ja noch volle Kanister.
Auf der Strecke nach Chefchaouen, die ja am Rande des Rif-Gebirges verläuft,
stehen am Straßenrand immer wieder Haschischverkäufer, die uns
mit ihren braunen Päckchen zuwinken. Mit zwei Fingern wollen sie uns
wohl signalisieren, daß sie 200 Dirham haben wollen. Die Straße
wird teilweise so steil, daß der zweite Gang kaum noch ausreicht.
In Chefchaouen finden wir zügig eine Bank, Heike tauscht einen Travellerscheck
über 100.- DM, ich löse einen Euroscheck über 2000.- Dirham
ein. Eine Tankstelle finden wir auch schnell und tanken den günstigen
marokkanischen Sprit.
Nachdem
wir uns nur einmal verfahren haben, finden wir auch den im Marokkoführer
beschriebenen Campingplatz. Die Klos sind recht schlecht. Es handelt sich
um Löcher im Boden, daneben ist ein Eimer mit Wasser zum hinterherspülen.
Neben dem Eimer ist ein Korb für das Klopapier. In Erika Därrs
Marokkobuch sind die Sanitäranlagen als "annehmbar" bezeichnet.
Am späten Nachmittag gehen wir noch nach Chefchaouen hinunter. Wir
gehen eine Abkürzung über einen Geröllhang, einen Friedhof,
dann direkt durch die verwinkelten Gäßchen der Medina in die
Stadt hinein. Unten in der Medina sind viele Verkaufsstände. Wir werden
nur einmal kurz angequatscht. Als wir die Medina verlassen und in der "modernen"
Stadt sind, dauert es nicht lange, bis uns ein aufdringlicher Typ verfolgt,
der uns unbedingt die Medina zeigen will. Nachdem wir merken, daß
wir den interessanten Teil der Stadt schon gesehen haben, wollen wir auf
dem gleichen Weg wieder zurück zum Campingplatz, den wir auch gekommen
sind. Wir stapfen selbstbewußt durch die Gäßchen der Medina,
der Typ verfolgt uns noch eine Zeit, gibt dann auf. Wir finden tatsächlich
auf Anhieb den richtigen Weg zurück zum Campingplatz.
Wir begeben uns noch einmal in den Wald, weil die Toiletten auf dem Campingplatz
doch recht unangenehm sind, dann essen wir aufgebratene Nudeln und gehen
schlafen.
6.1.1995 Heike berichtet:
Nachdem wir aufgestanden sind, frühstücken wir gemütlich.
Wir haben Zwiebelbaguette, Brötchen und Croissants aufgebacken. Der
Ofen funktioniert richtig gut.
Nach dem Frühstück füllen wir unsere Wasserreserven auf
und bezahlen. Insgesamt bezahlen wir für die eine Nacht 30 DH was
wohl für die Ausstattung ganz angemessen ist. Um 12:30 Uhr fahren
wir endlich los.
Wir
fahren bis zur nächsten Hauptstraße, wo uns noch einige Haschhändler
ihre Päckchen anbieten. Dort wählen wir zuerst die falsche Richtung.
Wir merken dies schnell und drehen um. Anstatt Richtung Rif- Gebirge (Al
Hoceima) fahren wir nun also nach Mèknes. Wir fahren durch kleine
Orte und eine Stadt (Ouzane), immer an saftigen, fruchtbaren Hügeln
vorbei. man merkt, daß wir uns im fruchtbarsten und landwirtschaftlich
am meisten genutzten Gebiet Marokkos befinden. Es gibt neben Eseln, Ziegen
und Schafen sogar hier und da ein paar schwarzweiße Kühe. Die
Äcker werden so bestellt, wie das wohl früher bei uns auch war:
Nicht mit Hilfe von Traktoren und modernen Landmaschinen, sondern es werden
zwei Esel oder Mulis vorgespannt.
Auf
der weiteren Fahrt nach Mèknes wechseln ich und Sven noch einmal
die Plätze, so daß ich auch noch einmal für kurze Zeit
fahre. Als wir dann um 16:15 Uhr in Mèknes ankommen, wissen wir
erst gar nicht genau, welche Richtung wir zum Campingplatz nehmen müssen.
Die Ausschilderung ist dürftig und unser Kartenmaterial beschränkt
sich auf einen Übersichtsplan im Reiseführer. Daher ist es nicht
überraschend, daß wir uns ein wenig verfahren und erst nach
einiger Zeit den Campingplatz finden. Der Weg führt entlang der 40
km langen alten Stadtmauer durch enge Torbögen hindurch. Als wir ankommen,
werden wir für unsere Mühe vollkommen belohnt. Nachdem wir an
der Rezeption die Formalitäten erledigt haben (das Campingcarnet stellt
sich langsam als eine sehr sinnvolle Anschaffung heraus) werden wir auf
unseren Stellplatz - mit Stromanschluß - geführt. Die Verheißungen
von einer Freundin, daß dies einer der besten und saubersten Campingplätze
Marokkos sein sollte, bestätigen sich ohne Einschränkungen. Ein
Marokkaner bietet uns für den nächsten Tag eine Führung
durch Mèknes an, und wir willigen ein.
Am Abend erwarten uns die heißersehnten warmen Duschen für 7
DH. Ich genieße das warme Wasser und nutze es natürlich auch
dazu, endlich meine Haare zu waschen, hierfür wird es allerhöchste
Zeit. Dies nimmt dann also ca. eine Stunde in Anspruch, lohnt sich aber
auch richtig.
Nach dem Duschen macht sich bei uns ein Hungergefühl breit, und wir
beschließen, daß zum Campingplatz gehörende "einheimische"
Restaurant auszuprobieren. Als wir dort Platz nehmen, gibt es keine Speisekarte.
Um kein Risiko einzugehen, beschließen wir beide ein "poulet
rôti avec des frites" und eine Pepsi zu bestellen. Nicht gerade
sehr einfallsreich, aber schmeckt ganz gut. Die Portionen sind aber etwas
mager.
7.1.1995 Sven berichtet: Um kurz nach acht klingelt der Wecker, und wir
müssen auch schnell aufstehen, da wir ja um neun Uhr mit einem Stadtführer
verabredet sind. Es war ein Preis von 30 DH abgemacht. Der Führer
führt uns weg vom Campingplatz und erzählt uns dabei einiges
über die Stadtmauer und die Stadt. Plötzlich hält ein Taxi
mit zwei Marokkanern an, unser Führer übergibt uns an seinen
Freund, sagt der könne auch deutsch, und werde die Führung zum
gleichen Preis machen. Mit dem Taxi fahren wir erst auf einen Berg, die
Medina von oben betrachten. Dann fahren wir ins Gerberviertel. Wir dürfen
natürlich noch 20 DH für die Fahrt in dem versifften Taxi zahlen.
Wir laufen eine ganze Zeit durch die Stadt und unser Führer zeigt
uns auch einiges, z.B. im Gerberviertel wie Leder bearbeitet wird, ein
türkisches Bad, einen Bäcker wo man sein Brot selbst zum Backen
hinbringt und viel Kunsthandwerk.
Natürlich fehlt auch der obligatorische Teppichhändler
nicht. Ich habe den festen Vorsatz nichts zu kaufen, und so stört
es mich auch nicht, wie der Händler einen Teppich (oder Kilim=Webteppich)
nach dem anderen ausbreitet, und uns erzählt, wie schön die Teppich
doch seien. Heike macht schon ein etwas komisches Gesicht. Irgendwann,
als schon ungefähr 30 Teppiche vor uns ausgebreitet sind, bietet uns
der Händler Pfefferminztee an. Ich nehme das Angebot an, weil ja auch
in allen Reiseführern steht, daß man das ruhig machen kann.
Heike guckt wieder ganz irritiert. Der Tee ist mit frischen Minzeblättern
aufgebrüht, und man tut einen großen Löffel Zucker hinein.
Immer mehr Teppiche werden vor uns ausgebreitet. Als der Tee alle ist,
sage ich Heike, daß wir jetzt gehen sollten (ohne Teppich). Sie hat
aber das Gefühl, daß wir das jetzt nicht so einfach machen könnten
und ist etwas unwillig. Ich raune ihr zu, daß wir nichts kaufen wollen!
Sie guckt ganz komisch und sagt, daß die Teppiche doch eigentlich
ganz schön wären. Ich sage "Neineineinein". Die Händler
bekommen das natürlich auch mit. So werde ich (fast) unbemerkt etwas
von Heike weggelockt, damit der eine Händler sie besser (ohne meinen
Einfluß) bearbeiten kann. Das merke ich natürlich auch irgendwann
und drängele mich wieder zu Heike zurück. Heike will jetzt wohl
wirklich einen kleinen Kilim kaufen. 300 Dirham war inzwischen der von
600 Dirham runtergefeilschte Preis (ca. 50.- DM). Ich versuche noch einmal
Heike von dem Teppichkauf abzubringen, aber es hilft alles nichts; wir
verlassen den Laden mit einem Teppich mehr und 300 Dirham weniger.
Wir schlendern noch etwas durch die Altstadt, bezahlen unseren Guide, der
tatsächlich nicht mehr haben will als die vereinbarten 30 Dirham (pro
Person natürlich...) und gehen zum Campingplatz.
Heike
berichtet:
Dort angekommen, beschließt Sven, die günstige Gelegenheit zu
nutzen, um den fälligen Öl- und Ölfilterwechsel vorzunehmen.
Währenddessen hole ich einen Eimer Wasser, gebe etwas Pril dazu und
säubere so das Auto mit einem nassen Lappen oberflächlich. Nachdem
Sven fertig ist, und sich sauber gewaschen hat, machen wir uns etwas zum
Essen. Wir beide haben Appetit auf etwas herzhaftes, und so gibt es echte
bayerische Weißwürstel aus der Dose mit spanischem Brot. Zum
Nachtisch gibt es dänische rote Grütze mit Dosensahne. Danach
legen wir uns beide schlafen, Sven kocht sich abends noch eine Gulaschsuppe.
Wir lesen noch ein wenig in unseren Büchern und schlafen ein.
8.1.1995 Heike berichtet:
Morgens um 10 Uhr stehen wir auf. Ich bin bereits wach, bevor die Sonne
aufgeht, weil ich auf Toilette muß. Als ich wieder zum Auto zurückkomme
sehe ich, wie unsere österreichischen Nachbarn ihre Sachen bereits
packen und ihren Hund ausführen. Ich denke mir nichts dabei und wundere
mich nur ein wenig, daß sie schon so früh loswollen und lege
mich wieder schlafen.
Später, als wir um ca. 12:40 Uhr auch losfahren wollen, stellt es
sich als Pech heraus, so spät aufzubrechen, denn die Rezeption hat
noch bis ca. 14 Uhr Mittagspause. Vor der Abfahrt hatten wir beide morgens
noch einmal warm geduscht, gemütlich gefrühstückt und Sven
hatte den Luftfilter gewechselt, was bestimmt überfällig war.
Der Luftfilter war nämlich noch der des Vorbesitzers. Um 14 Uhr fahren
wir nun endlich los. Wir hatten noch am Morgen von unseren deutschen Nachbarn
den Tip bekommen, doch auf jeden Fall Richtung Er-Rachidia nach Taouz zu
fahren. "Es lohnt sich, auf jeden Fall, wenn man als Europäer
mal richtige Wüste mit Sanddünen und so sehen will". Dies
waren die Worte des Darmstädters, und wir beschlossen daraufhin, nicht
nach Taza (alte Berberstadt) zu fahren, sondern über Ifrane, Midelt
und Er-Rachidia nach Taouz in die marokkanische Wüste! Auch ohne Sandbleche
hätten wir dort keine Probleme. Zwar müßten wir wohl zeitweise
im 1. Gang kämpfen, aber selbst wenn wir Pech hätten und steckenblieben,
würde bald ein R4 vorbeikommen, anhalten und uns raushelfen sagte
der Darmstädter. Erwartungsvoll fahren wir also los.
Die erste Station ist Ifrane. eine - wie uns unser marokkanischer Führer
in Mèknes bereits angekündigt hatte - sehr europäisch
aussehende, kleine Stadt auf 1650 m Höhe im mittleren Atlas gelegen.
Ehemals für Franzosen als Wintersportort eingerichtet, tummeln sich
heute neben Europäern vorwiegend die marokkanische High-Society, dies
allerdings überwiegend im Winter zum Ski laufen. Letzteres erscheint
uns etwas rätselhaft, da, zumindest dieses Jahr, weit und breit kein
bißchen Schnee zu sehen ist. Die Häuser sind spitzgiebelig,
groß, sind mit roten Dachziegeln bedeckt und haben Schornsteine.
Die Kastanien- und Pappelalleen führen aus dem Stadtzentrum zu den
Villen heraus und am Straßenrand fällt unser VW-Bus einfacher
Bauart zwischen den noblen BMWs, Mercedes und größeren Renaults
der betuchten marokkanischen Gesellschaft direkt auf. Man kommt sich richtig
heimisch hier vor. Da es überall Münztelefone gibt, und wir uns
auch noch nicht aus Marokko gemeldet haben, rufe ich noch in Hamburg an
und erzähle wie es uns bisher ergangen war.
Sven
berichtet:
Wir fahren dann weiter Richtung Midelt durch den mittleren Atlas. Die Landschaft
ist ziemlich karg und die Sonne geht bald unter. Wir entschließen
uns, wild zu campen und stellen uns etwas abseits der Straße auf
ein Geröllfeld neben einen kleinen Fluß. Das Außenthermometer
zeigt bereits knapp unter Null Grad. Ich pansche noch etwas von dem aus
Deutschland mitgebrachtem Winterdiesel in den Tank, damit wir am nächsten
Morgen keine Startschwierigkeiten haben.
Wir kochen uns Käsnudeln und gehen dann schlafen. Das Außenthermometer
ist immer weiter gesunken und steht mittlerweile bei -11° C. Ich fürchte
allmählich um unseren sicheren Start am nächsten Morgen, weil
ich doch nicht so wahnsinnig viel Winterdiesel dazugemischt hatte.
Unsere Standheizung läuft dauerhaft, aber richtig warm wird es nicht
mehr im Auto. Wir haben die Heizung allerdings auch nur auf kleiner Stufe
laufen, da die große Stufe so laut ist. Nachts gegen drei Uhr wachen
wir beide auf. Es ist draußen mittlerweile -16° C. Der Orangensaft
der auf dem Boden des Autos steht, ist gefroren. Das Bett ist ja ca. 50
cm höher, dort ist es nicht so kalt.
Als ich kurz aufstehe und Licht anmachen will, bricht die gesamte Stromversorgung
zusammen, d.h. die Heizung geht auch aus. Ich denke erst, eine Sicherung
wäre durchgebrannt. Ich wühle eine Sicherung unter dem Bett heraus.
Als ich sie einsetzen will, sehe ich, daß die Schutzschaltung für
die Batterie aktiv ist. Diese Schutzschaltung schaltet alle Stromverbraucher
ab, wenn die Batterie fast leer ist, um diese vor Tiefentladung zu schützen.
Ich drücke den Notknopf, die Heizung läuft erst einmal wieder.
Die Batterie, die in der kalten vom Vorhang abgetrennten Fahrerkabine steht,
ist wohl etwas unwillig. Ich lege den Vorhang so, daß die Batterie
wenigstens etwas mehr Wärme abbekommt. Trotzdem habe ich Angst, daß
die Batterie im Laufe der Nacht versagen würde und wir dann bei der
Kälte ohne Heizung dastünden. Die Temperatur sinkt zwar noch
auf -17° C, aber irgendwann geht dann auch die Sonne wieder auf.
9.1.1995 Sven berichtet:
Die Temperatur steigt sprunghaft wieder an, und hat gegen 9 Uhr schon ca.
+10° C erreicht. Wir frühstücken, und ich baue die Heizung
so um, das warme Luft in den Motorraum geblasen wird. Dann sammeln wir
noch Holz (das wirklich nur sehr spärlich vorhanden ist), um später
ein Feuer zu machen und die Glut unter den Kraftstofftank zu legen. Wir
hoffen so, den Dieselkraftstoff noch etwas anwärmen zu können.
Während des Frühstücks läuft auf einmal ein ziemlich
fertig aussehender Marokkaner um unser Auto herum und klopft an die Scheiben.
Als ich hinaus gehe, fragt er mich nach Zigaretten, die wir natürlich
nicht haben. Er geht dann wieder, aber Heike läuft noch hinter ihm
her und gibt ihm ein Beutelchen Weihnachtskekse, worauf er sich so freut,
daß er Heike auf die Wange küßt, was ihr überhaupt
nicht recht ist.
Als wir etwas später das Feuer entzünden wollen, kommen wieder
zwei Marokkaner, wohl Schäfer, die uns fachmännisch helfen, dieses
anzünden. Ich breche aus Versehen den Stiel von meiner Schaufel ab
und will diesen ins Feuer werfen. Der eine Marokkaner gibt mir zu verstehen,
daß er den Stiel gern hätte, und so bekommt der den abgebrochenen
Stiel geschenkt. Auch die beiden hätten gern Zigaretten gehabt, bekommen
aber nur Schokolade. Sie freuen sich, und verschwinden wieder.
Wir packen unseren Bus. Gerade als wir los wollen, kommt der eine Marokkaner
mit einer riesigen Schafherde vorbei, so daß wir noch etwas warten
müssen. Vorher hatte Heike noch den Schäferhund mit alter Bundeswehrwurst
satt gemacht. Wir fahren los, das Auto springt problemlos an. Unterwegs
stellen wir fest, daß die Warmwasseraufbereitung den Frost nicht
ganz schadlos überstanden hatte, alles Wasser ist aus dem Kanister
entwichen, und irgendwo auf die marokkanische Straße gelaufen. Wir
fahren erst durch den mittleren Atlas, dann überqueren wir den hohen
Atlas.
Die Landschaft wird zusehends kärger. Auf der Südseite des hohen
Atlas ist sie schon wüstenartig. De Flüsse führen alle kein,
oder nur ganz wenig Wasser, obwohl die Flußbetten breit sind. Der
Himmel ist wolkenlos, aber es ist nur mäßig warm. Man sieht
deutlich die Grenze zwischen dem Grün an den Flußläufen
und der sandigen Landschaft dahinter. Die Häuser stehen im sandigen
Teil, damit der grüne Gürtel landwirtschaftlich genutzt werden
kann. Wir wollen nach Merzouga fahren, die "einzigen Sanddünen
Marokkos" ansehen. Uns wird bald klar, daß wir das heute nicht
ganz schaffen würden, weil die letzten Kilometer Piste sind. Wir fahren
so nur bis zum Campingplatz in Erfoud, wo wir erst im dunkeln ankommen.
Wir wollen eigentlich zwei Nächte bleiben und am nächsten Tag
einen Ausflug zu den Dünen machen. Wir zahlen gleich für zwei
Nächte unverschämte 120 Dirham. Der Campingplatzwärter will
uns unbedingt einen Führer für den nächsten Tag aufschwatzen,
den wir aber nicht wollen. Die sanitären Anlagen sind saumäßig,
Trotzdem nehmen wir dort noch eine warme Dusche.
10.1.1995 Sven berichtet:
Wir stehen spät auf, frühstücken gemütlich und gehen
dann in den Souk einkaufen. Wir kaufen Zwiebeln, Orangen und ein Fladenbrot.
Dann gehen wir, nach einem kurzen Stadtbummel, zurück zum Campingplatz.
Dort räumen wir erst einmal den Bus auf, waschen ab, und ich repariere
die Warmwasserzubereitung. Es hat sich glücklicherweise nur ein Schlauch
gelöst. Wir füllen noch unsere Wasserkanister auf. Da die Sonne
leicht(!) scheint, fangen die Klos fürchterlich zu stinken an. Zweimal
fahren wir mit dem Bus ein Stück weiter von den Toiletten weg. Wie
muß es hier erst im Sommer stinken...
Wir fahren los Richtung Sanddünen und haben nicht die Absicht, abends
zu dem Campingplatz zurückzufahren. Wir wollen irgendwo bei den Sanddünen
übernachten, was laut dem Darmstädter aus Mèknes problemlos
möglich sein sollte. Nach einigem Umherirren in Erfoud finden wir
dann auch die richtige Straße, die schon bald in Piste übergeht.
Die Piste ist anfangs durch grünweiße Pfähle gut markiert,
aber es gibt viele ausgefahrene Spuren. Auch sonst kann man fahren wo man
will. Der Untergrund ist fast überall fest. Sandfelder gibt es so
gut wie keine, und wenn es welche gibt, sind sie nur 2-3 m lang.
Wir kommen dann nachmittags an den Sanddünen an, und stellen unser
Auto auf den Parkplatz vor dem Restaurant Yasemin. Dort stehen noch zwei
weitere VW-Busse, einer direkt auf dem Parkplatz, der andere campt etwas
weiter unten. Direkt vor den Dünen ist ein See. Wir steigen auf die
Dünen hinauf, was doch anstrengender wird, als wir zunächst vermuteten.
Zurück am Auto fahren wir erst runter zu dem
See, ruhen uns noch etwas aus und gehen dann gegen 18 Uhr in das Restaurant
Yasemin um zu Abend zu essen. Leider gibt es erst ab 20 Uhr warmes Essen.
So trinken wir Tee, und unterhalten uns mit Saïd, einem jungen Marokkaner
der etwas deutsch spricht. Um 20 Uhr gibt es Essen: Couscous, zum Nachtisch
eine Orange.
11.1.1995 Sven berichtet:
Morgens schlafen wir erst einmal aus, wir wissen immer noch nicht, ob wir
weiter nach Merzouga fahren, oder lieber einen faulen Tag einlegen. Wir
stehen spät auf. Da es draußen recht warm ist, wollen wir auch
draußen frühstücken. Wir stellen den Klapptisch nach draußen
und bereiten das Frühstück vor. Da aber ziemlich viele Fliegen
unterwegs sind, fliehen wir bald wieder ins Auto zurück. Nach dem
Frühstück gammeln wir noch ein wenig herum. Ein Marokkaner kommt
vorbei. Wir unterhalten uns mit ihm eine ganze Zeit. Die Fliegen werden
etwas weniger, weil sie alle zu den Füßen des Marokkaners fliegen.
Wir entschließen uns ganz spontan doch noch los
zu fahren und Richtung Westsahara aufzubrechen. Wir packen zusammen, starten
und bleiben im Matsch stecken. Sofort eilen uns drei Marokkaner zur Hilfe.
Mit Wagenheber, Schaufel und Brett befreien wir den VW- Bus recht schnell.
Wir fahren noch bis tief in die Dunkelheit hinein. Wir wollen zu einem
Campingplatz in der Nähe der Todra-Schlucht. Wir finden auch ein Schild,
aber der angebliche Campingplatz ist ein dunkler leerer Hinterhof, niemand
ist da. Nach kurzem Überlegen fahren wir dann noch weiter und finden
nach ein paar Minuten Fahrt den richtigen im Reisebuch beschriebenen Platz,
wunderschön zwischen Palmen gelegen. Der Besitzer ist sehr freundlich.
Wir stellen uns direkt neben den Fluß, der am Campingplatz vorbeifließt.
Beim abendlichen Kochen merke ich, daß das Brett der oberen Gepäckhalterung
im Hochdach bei der rumpeligen Pistenfahrt ca. 25 cm nach vorne gerutscht
ist. Das Brett geht durch die schwere Beladung natürlich auch nicht
so einfach wieder zurückzuschieben. Ich stoße mir diesen Abend
mindestens noch fünf mal den Kopf!
12.1.1995
Heike berichtet:
Wir rasten also wunderschön am Rande der Todra-Schlucht, inmitten
einer üppig mit Palmen bewachsenen Oase. Eine Wohltat nach den Erfahrungen
auf dem Campingplatz in Erfoud. Es stellt sich immer mehr heraus, daß
wir dort mit 120 DH für zwei Nächte und lauwarme Duschen über
den Tisch gezogen worden sind. Hier sollen wir dagegen 60 DH insgesamt
bei sehr sauberen und gepflegten Campinganlagen zahlen, warme Duschen eingeschlossen!!!
Es
ist bereits der zweite Donnerstag auf unserer Fahrt. Wir frühstücken
ausgiebig und lang, so daß wir erst mittags fertig sind. Ursprünglich
wollten wir bereits an diesem Tag früh aufstehen, und Richtung Agadir/Westsahara
aufbrechen, haben dieses Vorhaben dann aber recht bald auf den nächsten
Tag verschoben, frei nach dem Motto: "Was Du heute kannst besorgen,
das verschiebe ruhig auf morgen". Sven macht sich nach dem Essen an
den Abwasch und räumt unser zusammengewürfeltes und weggerutschtes
Gepäck im Hochdach auf während ich - und dies muß ich zu
meiner Schande gestehen - mein Buch schnappe und faul in der Sonne auf
einem der herumstehenden Stühle sitze und lese. Zu meiner Entlastung
bleibt zu erwähnen daß ich natürlich mehrmals gefragt habe,
ob ich denn helfen solle. Der Mittag geht, der Nachmittag ist bereits fast
vorbei, da sind wir nun doch schon soweit endlich aufzubrechen. Erst geht
es nach Tenahir in die Stadt, ein paar Lebensmittel (Brot Butter, Milch)
und eine Sonnenbrille einzukaufen. Außerdem wechseln wir noch etwas
Geld.
Gleich anschließend fahren wir in der Dämmerung in die Todra-Schlucht,
die, wie Nicole bereits erzählt hatte, recht gewaltig und daher sehr
beeindruckend ist. Wir machen Fotos und filmen. Irgendwann ist die Straße,
die mittlerweile zu einem kleinen Weg geworden ist, so beschwerlich, daß
wir bei der nächsten Gelegenheit Halt und Kehrt machen. Wir fahren
zum Campingplatz zurück und sind, wie könnte es anders sein,
vom ganzen Tagesgeschehen natürlich "total geschafft."
13.1.1995 Sven berichtet:
Wir wollen ja eigentlich früh losfahren, nur noch schnell aufräumen,
bezahlen, Wasser auffüllen und dann los. Es wird dann, trotz Verzicht
auf das Frühstück, 11 Uhr. (Heike kämmt sich stundenlang...)
Das über 500 km entfernte Ziel Agadir (wo wir natürlich nicht
direkt hin, sondern nur vorbei wollen) ist wohl doch illusorisch.
Irgendwie kommt es mir nach einer Stunde Fahrt komisch vor, daß der
Bus trotz ständiger Vollgasfahrt nur selten über 80 km/h kommt.
Außerdem wirft er hinten ziemlich viel Ruß aus. Als er dann
auf einmal auf 70 km/h zurückfällt, obwohl es nicht merklich
bergauf geht, gerate ich doch etwas in Panik. Ich halte an, überprüfe
den Gaszug und reinige den Luftfilter. Der Motor hört sich ansonsten
ganz normal an und startet bereitwillig. Wir haben etwas Gegenwind und
es geht auch ein wenig bergauf. Ich fahre die Straße ein Stück
in die andere Richtung, da fährt der Bus etwas schneller. Heike redet
auf mich beruhigend ein, und so fahren wir mit einem etwas mulmigen Gefühl
weiter.
Gegen zwei Uhr machen wir Pause und backen in unserem tollen Ofen Fladenbrot
mit Putenfleisch, Ananas und Käse auf. Danach setzt sich Heike ans
Steuer. Der Bus fährt nun doch oft 90 km/h, trotz einfacher Straße,
so bin ich einigermaßen, aber nicht völlig beruhigt. Sonst fährt
er locker 110 km/h.
Die Straße ist sehr schmal, immer wenn ein Fahrzeug entgegen kommt
muß ein Fahrzeug (das schwächere) auf den Sandstreifen an der
Seite ausweichen. Die Straße windet sich durch die Berge. Heike fährt,
und ich habe vor jeder Kurve Angst, obwohl wir dann doch noch überall
heil herumkommen.
Kurz
später, die Sonne geht gerade unter, fahre ich wieder. Der Bus will
doch noch nicht so richtig ziehen, fährt nur 70-80 km/h und qualmt
ziemlich doll. Auch wenn es leicht bergab geht, kommt er nicht über
90 km/h. Auf einmal geht die Straße ganz steil bergab und der Asphalt
hört auf. Nun kann ich sowieso nur noch 20-30 km/h fahren. Als wir
unten sind, kaufen wir noch in einer Ortschaft Brot und fahren wieder weiter.
Die Straße wird breit und gut, der Bus fährt auf einmal wieder
zuverlässig seine gewohnten 110 km/h. Ich denke, das Qualmen und die
schlechte Leistung resultierten daraus, daß wir ständig in einer
Höhe über 1000 m, teilweise 1500-1600 m, gefahren sind.
In der Dunkelheit sind plötzlich wieder viele Bäume zu erkennen.
Wir haben nach Westen den nordost/südwestlich verlaufenden Gebirgszug
des Atlasgebirges überquert und so die Wüste vorerst wieder verlassen.
Wir suchen uns einen Stellplatz an einem Feldweg und übernachten.
14.1.1995
Sven berichtet:
Morgens fährt Heike. Die Straße ist gut ausgebaut. Plötzlich
ist an einem Straßenschild Dakar angezeigt. Mein Gott, wir sind doch
schon weit weg von zuhause! Kurz nach Agadir jage ich Heike wieder mit
dem VW-Bus durch die enge Medina einer Stadt. Ich kaufe Äpfel und
Orangen. Wir tauschen die Plätze, ich fahre weiter nach Tiznit. Wir
wollen dort telefonieren, unser Auto wird gleich von fürchterlich
aufdringlichen Jugendlichen belagert. Die Telefone funktionieren natürlich
alle nicht, wir sehen zu, daß wir weiterkommen. In der nächsten
größeren Stadt (Guelmim) schaffe ich es tatsächlich ein
Gespräch aufzubauen, es bricht aber nach wenigen Sekunden ab, und
nun schluckt das Telefon zwar noch Geld, rührt sich sonst aber nicht
mehr.
Heike sagt, ca. 8 km von hier solle es einen sehr guten, von einem französischen
Ehepaar geführten Campingplatz geben. Eigentlich wollten wir ja noch
bis Tan-Tan fahren, aber diesen Platz können wir uns ja mal ansehen.
Naja, auf einmal stellt Heike fest, daß es doch noch 38 km sind.
Noch etwas später merkt sie, daß 20 km davon Piste sind. Wir
beratschlagen, und fahren dann weiter dorthin, obwohl es mittlerweile stockfinster
ist. Die Piste ist am Anfang fest und steinig, teilweise Wellblech. Später
zweigt dann die halbe Piste woanders hin ab. Unsere Abzweigung ist schmal,
teilt sich oft und führt wieder zusammen. Man muß den besten
Weg raten. Einmal setzt der Auspuff leicht auf. Mehrmals muß ich
aussteigen, und zu Fuß den optimalen Weg erkundigen. Irgendwie kommen
wir auch durch die kurzen Sandpassagen. Plötzlich kommt eine Steintafel,
die uns auf französisch darauf aufmerksam macht, daß uns in
ca. 3 km das Paradies auf Erden erwartet: Bravo le plus dur est fait
encore 3 km pour attendre um un paradis nomme fort bBou Jerif. Guy &
evy vous attendent. Wir schaffen die letzten drei Kilometer auch noch
und der Campingplatz (beleuchtete fortähnliche Gebäude) sieht
in der Dunkelheit ziemlich beeindruckend aus. Der Besitzer kommt sogleich
heraus und zeigt uns einen Stellplatz. Wir parken unser Auto an der angewiesenen
Stelle und gehen ins "Wüstenrestaurant". Dort ist gedämpftes
Licht, es spielt klassische Musik, viele Pflanzen stehen hier, ein Vogelkäfig
mit Wellensittich. All dies wirkt hier mitten in der Wüste nach der
beschwerlichen Fahrt ziemlich unwirklich.
Heike berichtet:
Im Restaurant werden wir herzlich begrüßt und bestellen zweimal
brochettes (Fleischspieße mit Salat und Brot) und hinterher Tee.
Es schmeckt sehr gut und war (wie sich erst bei unserer Abfahrt herausstellt)
nicht sehr teuer.
15.1.1995
Heike berichtet:
Morgens stehen wir erst spät auf, natürlich erst nachdem wir
noch ein wenig gelesen haben. Wir wollen mal wirklich gemütlich frühstücken,
was bedeutet, daß wir zunächst unseren neuen Campingtisch vor
dem Bus aufbauen. Wir holen die nötigen Sachen aus dem Kühlschrank,
die Marmelade aus der Frühstücksbox und backen unser marokkanisches
Fladenbrot vom Vortag auf.
Daß die Idee draußen zu frühstücken wohl doch nicht
ganz so gut ist, zeigt sich recht bald: Fliegen schwirren wild um unsere
Brote und Köpfe und freuen sich über die leckeren Sachen. Wir
machen noch ein paar Fotos und sind bald mit unserem "gemütlichen
Frühstück" fertig. Zwischendurch kommen noch ein paar Frauen,
rütteln an unseren verschlossenen VW-Bus Türen und verschwinden
erst wieder, nachdem sie von Sven ein Paket Aprikosensaft bekommen haben.
Nach einer kleinen Lesestunde machen wir uns nachmittags auf den Weg zum
etwa zwei Kilometer entfernten Fort Bou Djerif, ein von den Franzosen in
den 30er Jahren erbautes Fort. Auf dem Weg dorthin tollen uns die ganze
Zeit zwei Katzen hinterher. Kurz bevor wir den Weg zum Fort hochgehen wollen,
sind die Kätzchen auf einmal nicht mehr zu sehen und nicht mehr zu
hören. So denken wir, daß sie den Weg wohl allein zurückgegangen
sind.
Wir steigen in den alten Gemäuern ein wenig herum, machen ein paar
Fotos, und gehen dann noch zu einer kleinen Oase (ohne Häuser) herunter.
Ein kleines Bächlein verläuft dort und ist teilweise aufgestaut.
In dem stehenden Wasser sieht man ganz viele Mückenlarven. In Anbetracht
der schwarzen schwimmenden Masse kann man sich ausmalen, daß es hier
im Sommer von Moskitos nur so wimmelt. Wir gehen noch am ehemaligen Brunnen
vorbei, der tief unten sogar noch Wasser hat. Dann gehen wir wieder zurück
Richtung Campingplatz. Die Sonne geht schon langsam unter, und so wird
es auch Zeit. Ungefähr an der Stelle, wo wir die Katzen aus den Augen
verloren hatten hört Sven auf einmal ein Miauen. Wir schauen uns um
und sehen auf den am Weg gelegenen Hügel kleine weiße Punkte,
die sich bewegen. Nachdem wir gerufen haben, kommen die beiden weißen
Punkte auf uns zu getollt. Den Weg nach Hause hatten die beiden Kätzchen
nun also doch nicht alleine gekannt und wir können bei dieser Gelegenheit
zum erstenmal Katzengalopp bewundern.
Wir kommen im Camp an und es ist schon fast dunkel. Wir beschließen
nicht noch einmal im Restaurant zu essen, sondern im Auto. Es gibt feurigen
Texaseintopf. Nachdem ich die Haare gewaschen und geduscht habe, gehen
wir bald ins Bett.
16.1.1995 Heike berichtet:
Heute wollen wir einigermaßen früh loskommen. Unser Ziel ist
Tan-Tan, bzw. Laayoune, und das ist 300-400 km entfernt. Außerdem
müssen wir die Piste zurückfahren und möglichst in Guelmim,
dem nächsten Ort, zur Bank und einkaufen. In Guelmim haben die Banken
gerade zu gemacht. In Tan-Tan angekommen haben die Banken immer noch ca.
eineinhalb Stunden Mittagspause und so müssen wir ein wenig warten.
Sven nutzt die Gelegenheit um zu Hause anzurufen. Dann kaufen wir noch
ein paar Lebensmittel ein. Wir fahren an den Stadtrand, warten dort bis
15:00 Uhr und fahren wieder zur Bank, wo ich zwei Travellerschecks à
100.- DM einlöse. Sven tankt den Wagen voll. So sind wir nun bestens
versorgt für unseren Trip in die Westsahara.
Da wir erst kurz nach 15:00 Uhr aus Tan-Tan loskommen, können wir
unser eigentliches Ziel Laayoune nicht mehr erreichen und rasten ca. 100
km vorher, mitten in der Wüste. Die Möglichkeiten am Atlantik
zu übernachten, hatten wir vorher bereits verpaßt und so für
den Rückweg vorgenommen. Abends gibt es Käsnudeln, es sind reichlich
viele geworden.
17.1.1995 Heike berichtet:
Wir frühstücken warm, nämlich Käsnudeln und machen
uns dann so um 11:30 Uhr auf nach Laayoune. Am frühen Nachmittag kommen
wir dort dann auch an. Wir decken uns dort noch mit Wasser, Brot (Baguette-Brot),
Milch und zwei Dosen Coca-Cola ein und sind erst einmal versorgt.
Auf dem Weg nach Laayoune sind teilweise an der Straße ganz viele
Kamele. Ich kann es mir nicht nehmen lassen, diese niedlichen Viecher zu
fotografieren. Da wir noch ein altes Brot haben, liegt es nahe, eines der
knuffeligen Tierchen zu füttern. Erst habe ich ein wenig Angst, weil
es so groß ist, wenn man vor ihm steht, aber zum Schluß frißt
es mir sogar aus der Hand. Die Brotstücke werden natürlich dementsprechend
größer. Sven macht so gut es geht Fotos, er hat natürlich
auch ein wenig Angst. (Stimmt nicht! Anmerkung Sven.) Autos und Lastwagen
fahren vorbei und hupen uns zu. Ja ja, wieder so ein paar Touristen. So
oder so ähnlich sind wohl ihre Gedanken.
Ca. 110 km hinter Laayoune halten wir an, um unser Nachtlager aufzuschlagen.
Es ist mit Blick auf den Atlantik - immerhin. Es sind dann aber doch noch
1-2 km bis zum Meer. Dies merken wir bald auf unserem Weg dorthin, und
wir stellen dort angekommen auch fest, daß es gar nicht möglich
ist, direkt ans Wasser zu kommen. Hier ist ein Steilufer, das von der Straße
aus nicht zu sehen ist. Schade!
Abends gibt es Reisauflauf, d.h. Reis mit Mais, Erbsen, Rührei, Zwiebeln
mit Käse überbacken. Es schmeckt sehr gut, und für den nächsten
Morgen bleibt auch noch etwas übrig.
18.1.1995 Sven berichtet:
Heute fahren wir ohne Frühstück los, da wir uns am Vorabend die
Bäuche so vollgehauen hatten. Leider geht es jetzt wieder zurück
Richtung Norden, da im Süden auch nichts besonderes mehr zu erwarten
ist. Somit ist nun geographisch der Wendepunkt erreicht, und auch von der
Zeit ist gerade die Hälfte herum.
Wir frühstücken dann etwas später auf einem Abschnitt der
"alten Straße" etwas Müsli. Mehr Hunger haben wir
noch nicht. Wir fahren wieder durch Laayoune und werden wieder an drei
Polizeikontrollen angehalten, wobei wir an der ersten Kontrolle die Pässe
vorzeigen. Außerdem müssen wir sämtliche persönlichen
Daten angeben, wie z.B. die Vornamen der Eltern. Weiter geht es Richtung
Tarfaya, ein höchst langweiliger Ort, der sich für uns aber dadurch
auszeichnet, daß es bis hier zollfreien Sprit gibt. In der besetzten
Westsahara und angrenzende Gebiete ist der Kraftstoff zollfrei und somit
sehr billig. Wir kommen in einem höchst ungünstigen Moment an
der Tankstelle an, es ist gerade Zeit zum Gebet. Ein Mercedesfahrer hat
auch angehalten, seinen Teppich ausgebreitet und verneigt sich gen Mekka.
Naja, wir fahren noch einmal um die Tankstelle herum und dann kommt der
Tankwart auch schon und betankt uns.
Ein kurzes Stück weiter halten wir wieder an, denn hier ist keine
Steilküste, sondern richtiger Strand. Dort gehen wir ein wenig spazieren
und treffen einen Berliner Rentner, der sich im Angeln versucht.
Wir wollen noch ca. 100 km weiter fahren wollen, um dort zu campen, wo
ein Oued ins Meer fließt. Alle zig Jahre soll es tatsächlich
so viel regnen, daß der Oued auf seinem Weg vom Atlas-Gebirge nicht
vorher austrocknet. Wir müssen uns sputen, es wird bald dunkel. Wir
finden eine Stelle die wir auf dem Hinweg schon gesehen haben, obwohl es
dann doch schon dunkel ist. Dort stehen auch einige andere Wohnmobile mit
deutschen und franzö- sischen Kennzeichen. Wir campen etwas abseits
und braten Reisauflaufreste auf.
19.1.1995 Sven berichtet:
Ich beginne den Tag faul und lese in meinem Buch. Heike geht schon spazieren.
Nach einer Stunde beginne ich mir Sorgen zu machen, und mache mich auf
die Suche nach Ihr. Ich gehe natürlich in die falsche Richtung und
sehe sie dann nach ca. 20 Minuten am VW- Bus, wobei ich inzwischen auf
der anderen Seite des Oueds bin, und ca. 15 Minuten vom Bus entfernt.
Naja, ich lese den ganzen Tag noch sehr viel, doch nachmittags klettere
ich noch mit Heike die Steilklippen hinunter ins Oued Tal, um die Flamingos
dort zu fotografieren. Die Tiere zeigen sich jedoch ziemlich scheu, aber
ein paar Fotos machen wir doch. Danach gehen wir wieder auf die Steilklippen
an eine Stelle, wo die Wellen immer tosend gegen die Felsen knallen. Abends
backt Heike Pfannkuchen.
20.1.1995
Sven berichtet:
Morgens gibt es wieder Pfannkuchen, da noch etwas Teig vom Vorabend übrig
ist. Dann fahren wir zügig los, da wir möglichst in zwei Tagen
zu den Ouzoud-Wasserfällen kommen wollen. Vor Tan-Tan sind wieder
zwei Polizeikontrollen; die erste Kontrolle will wieder sämtliche
Daten von uns wissen. In Tan-Tan kaufen wir noch ein (Eier, Brot...) Als
wir den Kamelbogen von Tan-Tan passieren, hält Heike, die zur Zeit
am Steuer sitzt, an. Ich steige aus und laufe etwas zurück, um das
Foto zumachen. Zwei Lastwagen donnern an uns vorbei. Heike ruft aufeinmal:
"Sven, die Scheibe ist kaputt!".
Ja, und so ist es, die Frontscheibe ist in tausend
Stücke zersprungen.
Wir nehmen unseren Klapptisch, drehen ihn um und schlagen von außen
mit einer Flasche die Scherben, die noch alle zusammenhalten, so, daß
sie möglichst auf die Unterseite des Tisches fallen. Es fällt
aber viel daneben. Ein Marokkaner kommt, sieht sich die Scheibe an, setzt
sich dann an den Straßenrand und schaut uns zu. Er will offensichtlich
von uns mitgenommen werden, wenn wir fertig sind. Das wollen wir aber nicht.
Irgendwann wird ihm unsere gründliche und langwierige Arbeit (herausschlagen
der Scheibe, fegen, säubern reinigen usw.) zu langweilig, er steht
auf und fährt dann irgendwann bei jemandem anderen mit. Wir haben
nach knapp zwei Stunden endlich die Ersatzscheibe befestigt und zwar ordentlich
und gründlich, so daß es notfalls bis Deutschland hält!
Die Plastikfolie ist allerdings nicht besonders durchsichtig, wie wir während
der Fahrt merken. Allerdings ist sie stabil und gut zu handhaben. Wir können
ganz normal 90-100 km/h fahren, nur wenn ein großes Auto entgegen
kommt flattert die Folie manchmal ziemlich stark. In den Städten ist
die schlechte Sicht ziemlich lästig.
Wir fahren nach Agadir, wo es eine Vertretung des ADAC geben soll, kommen
aber erst in der Dunkelheit an. Es ist zwar alles etwas schlechter zu erkennen
durch diese komische Folienscheibe, aber wir erreichen den Campingplatz.
Agadir ist eine fürchterliche Stadt, schrecklich touristisch. Auf
den Straßen sind fast nur Europäer zu sehen. Die Marokkaner
die uns begegnen, sind irgendwie alle doof und arrogant, keiner will Heike
Geld zum telefonieren wechseln. Wir finden glücklicherweise eine Teleboutique.
Dort wechselt man Geld, und Heike kann telefonieren.
Der Campingplatz ist von deutschen Rentnern mit Wohnmobilen belegt. Für
Nicht-Dauercamper wie uns bleiben nur die Plätze direkt an der Mauer
neben der Hauptstraße. Die Dusche, auf die wir uns gefreut hatten,
gab es nur bis 18 Uhr. Glücklicherweise haben wir unsere eigene Dusche
dabei, die wir dann auch benutzen, was aber wie immer ein ziemlicher Umstand
ist.
Vorher, als wir unseren Wagen neben zwei Zelten an einer Stelle abstellen
wollten, die nicht ganz so dichte neben der Mauer ist, kommt aus dem einen
Zelt ein struwweliger Engländer und blafft uns an, daß wir hier
nicht stehen dürfen weil er das nicht will. Wir kümmern uns aber
nicht weiter um ihn. Die kaputte Scheibe tarnen wir noch mit Wolldecken.
21.1.1995 Sven berichtet:
Es ist Samstag. Morgens gehen wir wieder zur Teleboutique und rufen Frau
Graetz vom ADAC an. Wir schildern ihr unser Pech. Sie beschreibt uns den
Weg zu ihrem Büro und wir fahren dort hin. Es ist knapp 2 km vom Campingplatz
entfernt. Wir finden es auch gleich nach ihrer Beschreibung. Frau Graetz
nimmt die Fahrzeugdaten auf. Sie sagt uns, wir sollen gleich mit unserem
Wagen ihrem marokkanischen Kollegen folgen, er fährt zu einer Werkstatt,
die die Scheibe evtl. vorrätig haben könnte. Wenn nicht, sollten
wir am Montag noch einmal vorbeikommen, dann bestellt sie die Scheibe in
Deutschland.
Wir fahren also mit unserer trüben Folienscheibe durch den Stadtverkehr
von Agadir, was nicht immer ganz leicht ist. Natürlich hat die Werkstatt
die Scheibe nicht, was mich auch nicht wundert, da wir auf unserer ganzen
Reise keinen einzigen in Marokko zugelassenen VW-Bus unserer Bauart gesehen
hatten. Wir fahren dann noch gemeinsam zu einem anderen Betrieb, der die
Scheibe auch nicht hat. Der Marokkaner sagt uns, er müsse noch zum
Flugplatz, danach wollen wir noch mal auf den Schrottplatz suchen. Wir
fahren also zum Flughafen. Auf dem Weg dorthin rammt uns noch ein Krankenwagen,
sagt aber durchs Fenster, daß alles ok ist, und fährt gleich
weiter. Er war auch sowieso schon ziemlich zerbeult. Am Flughafen finde
ich auch keinen Kratzer an unserer vorderen Stoßstange, nur das Nummernschild
ist etwas verbogen, aber das war es wahrscheinlich auch schon vorher.
Wir fahren nun zum Schrottplatz. Dort gibt es auch keinen Scheibe. Heike
sieht noch im Vorbeifahren zwei lange Sandbleche.
Wir fahren wieder zurück zum Campingplatz und tarnen unsere kaputte
Scheibe mit Wolldecken. Dann gehen wir Essen. Wir landen in dem Touristenrestaurant,
das uns am Vorabend mit seiner lauten Tam-Tam-Musik besonders unangenehm
aufgefallen ist. Ich bemerke das aber erst, als wir schon fast fertig mit
dem Essen sind. Heike macht sich noch tagelang lustig über mich, weil
ich auf einmal so gerne in dieses Restaurant gehen wollte. Auf dem Rückweg
kaufen wir eine WELT vom Vortag und tun dann nichts mehr.
22.1.1995 Sven berichtet:
Heute stehen wir spät auf, nach dem Frühstück schlafe ich
gleich wieder ein. Nachmittags gehen wir zum Souk am anderen Ende der Stadt.
Dort kaufen wir Eier, Apfelsinen und frische Erdbeeren, sowie einen Entsafter
für die Apfelsinen. Das Kilo Erdbeeren hat ca. zwei DM gekostet, und
sie waren sehr gut. Zurück vom Markt zum Campingplatz fahren wir mit
einem Taxi. Abends gehen wir in eine Pizzeria und essen Pizza.
23.1.1995 Sven berichtet:
Morgens gehen wir zuerst zur ADAC-Niederlassung um unsere Scheibe zu bestellen.
Auf dem Rückweg gehen wir noch an einem kleinen "Libre service"
(Selbstbedienungsladen) vorbei und kaufen Milch, sowie echten arabischen
Danone-Joghurt. In einer Patisserie kaufen wir uns schöne französischer
Croissants, das Frühstück ist gesichert! Tagsüber gehen
wir am Strand spazieren.
Abends gehen wir ins Phi-Long essen, ein Vietnamese oder so ähnlich.
Die Portionen sind etwas mager, also holen wir uns hinterher noch eine
Pizza, die wir dann im VW-Bus essen.
24.1. - 27.1.1995 Sven berichtet:
Wir tun nichts besonderes, gammeln viel herum, lesen WELT, Focus und Spiegel,
die hier in Agadir leicht zu bekommen sind, gehen abends essen und sind
frustriert, daß wir hier nicht wegkommen.
28.1.1995 Heike berichtet:
Puh!!! Heute ist der Tag der Entscheidung. Wir haben den Wecker auf 7:45
gestellt um früh aufzustehen, den Wagen aufzuräumen und um ca.
9 Uhr bei Frau Graetz in der ADAC-Niederlassung zu sein Wir hatten mit
Frau Graetz zwar nicht ausdrückliche einen Termin vereinbart, waren
aber so verblieben, daß wir heute die Scheibe bekommen könnten.
In der Nacht von Freitag auf Samstag sollte die lang ersehnte Scheibe nun
endlich in Agadir Airport ankommen und unserem Zwangsaufenthalt ein Ende
setzen! Es ist also nun 9 Uhr und wir klingeln bei Frau Graetz - keine
Reaktion! Nun stehen wir also vor verschlossener Tür.
Sven berichtet:
Als wir gerade überlegen, was zu tun wäre, kommt auf einmal der
Typ, der vor einer Woche mit dem Auto vor uns her kutschiert ist, als wir
nach einer Werkstatt mit Scheibe gesucht haben. Er meint, daß Frau
Graetz bald kommen müßte. Das sagt er noch ein paar mal, dann
verschwindet er wieder. Wir warten und warten, und wir werden immer ärgerlicher.
War sie nicht vor ein paar Tagen schon so komisch am Telefon? Wahrscheinlich
sitzt sie beim Frisör. Naja, wir beschließen trotzdem zu warten.
Auf einmal (so gegen 10 Uhr) taucht ein Kleintransporter mit einer riesigen
Kiste hinten drauf auf, aus dem Frau Graetz aussteigt. Sie ist schon um
8 Uhr los, und hat unsere Scheibe vom Flughafen abgeholt. Sie fährt
noch mal kurz weg zu einem Karosseriebetrieb, ca. 300 m von hier entfernt
und fragt, ob er die Scheibe einbauen könne. Er kann. Wir fahren gleich
hin. Wir haben jetzt sogar eine modernere Scheibe, die nicht in tausend
Stücke springt, sondern nur einen Riß bekommt wenn ihr Gewalt
angetan wird. Toll! So etwas hätten wir schon vorher gebrauchen können.
Vor dem Einbau habe ich noch etwas Angst, da ich weiß, daß
diese Scheiben empfindlicher gegen Verspannungen sind und somit nicht ganz
so leicht zu montieren, aber sie wurde relativ professionell und routiniert
eingebaut. Nur in den unteren Ecken will die Dichtung nicht so richtig,
dort wird mit Silikon nachgepfuscht.
Wir bezahlen und fahren wieder zu Frau Graetz, die noch unsere Bescheinigung
zur temporären Einfuhr des Fahrzeugs hat. Darauf ist die zollfreie
Einfuhr der neuen Scheibe und des Dichtungsgummis (das überflüssigerweise
mitgeschickt wurde) vermerkt worden. Als wir den Zettel abholen, erinnert
sie uns daran, das alte Gummi für den Zoll wieder mitzunehmen. Wir
fahren also wieder in die Werkstatt und holen die Dichtung.
Heike berichtet:
Na endlich geschafft! Sollte es wahr sein und eine Woche Aufenthalt in
Agadir ein Ende nehmen? Aber noch ist es nicht so weit. Wir müssen
noch: den Campingplatz bezahlen (Es gelingt uns zwei Nächte zu unterschlagen
= 100 DH was wir gerne tun weil wir so unzufrieden waren) (Was aber auch
nichts nützt, da der ADAC die Kosten sowieso erstattet...) Dann wollen
wir noch Geld umtauschen und Käse, Schinken, Croissants und Erdbeeren
kaufen. So fahren wir auf der Suche nach einer Wechselstube noch mal durch
das Zentrum von
Agadir, die Banken hatten Samstag mittags natürlich geschlossen. Die
ersten beiden Versuche scheitern und wir stellen uns schon darauf ein,
noch bis zur Öffnung der Wechselstuben in Agadir verweilen zu müssen.
In einem noblen Hotel am Stadtrand probiere ich meinen Travellerscheck
einzulösen. Ich frage den Mann an der Rezeption, der darauf hinweist,
daß die Banken leider noch bis 16 Uhr geschlossen seien. Es tut ihm
leid, aber er kann erst dann tauschen. Ich schleiche wieder hinaus und
bin ein wenig frustriert. Kaum daß ich wieder im VW-Bus sitze und
Sven davon erzähle, stoppt neben uns ein edles Auto mit marokkanischem
Kennzeichen und zwei Marokkaner der reicheren Gesellschaftsschicht steigen
aus. Der eine schaut mehr oder weniger interessiert zu uns hinüber.
Dann kommt er plötzlich mit seinem Aktenkoffer in der Hand zu uns
herüber. Er lächelt und fragt (auf deutsch) ob wir aus Deutschland
kommen. Wir sagten "Ja". Der nun folgende small-talk läßt
ihn wissen, daß wir Probleme haben Geld zu tauschen, auch im Hotel
hat es nicht geklappt. "Hmm" meint er, "Travellerschecks
sind schlecht, aber Bargeld geht". Ich habe noch deutsches Bargeld
und sage ihm dies. "Tja, dann kommen Sie mal mit, das dürfte
kein Problem sein", und - schwupp - war ich wieder im Hotel, diesmal
jedoch mit einflußreicher Unterstützung an meiner Seite, wie
ich sogleich beim Eintreffen in der Hotelhalle merke. Meine Begleitung
erregt Aufmerksamkeit und wird vom Hotelpersonal hofiert. Ich stehe vor
dem mir bereits bekannten Mann, der mich verdutzt anguckt. Er bekommt sogleich
die Anweisung mir 100.- DM zu tauschen und man sollte es nicht glauben
- diesmal klappt es. Ich bekomme ohne Provision und ohne irgendwelche Gebühren
zu zahlen mein Geld. Vitamin B zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle
zahlt sich doch immer aus, auch in Marokko. Ich danke dem netten Marokkaner,
der mich noch auf bestimmte Bedingungen und Probleme an der Grenze aufmerksam
macht und gehe zurück zum Auto. Das war eine Heldentat! Marokkaner
sind doch noch richtige "Kavaliere".
Nun fahren wir los. Ziel: Möglichst schnell nach Ceuta zu kommen.
Ca. 1000 km sind bis an die spanische Grenze zu bewältigen. Wir wollen
in spätestens zwei Tagen im europäischen Spanien sein. Wir fahren
den ganzen Tag, frühstücken wie bereits gewohnt, im Auto während
der Fahrt. Wir halten nur einmal kurz an und schaffen es so bis hinter
Rabat. Ein gewaltiges Stückchen! Auch die einzige Autobahn Marokkos
probieren wir aus. 23 DH für eine Richtung. Also ca. 4.- DM für
die 90 km Autobahn Casablanca - Rabat. Das ist nicht teuer, aber für
marokkanische Verhältnisse auch nicht besonders billig.
Total erschossen machen wir ca. um 23 Uhr auf einem Acker nahe der Hauptstraße
Halt und gehen ins Bett.
29.1.1995 Heike berichtet:
Der Wecker klingelt um 7:45 Uhr. Wir bleiben noch eine Weile liegen und
kommen erst kurz vor 9 hoch. Schafe blöken um uns herum, Stimmen von
Schafshirten und Leuten die an der Straße stehen, und die darauf
warten von Autos mitgenommen zu werden, gesellen sich dazu.
Wir wollen noch vorm Start abwaschen, frühstücken wollen wir
später, während der Fahrt, um Zeit zu sparen. Wir haben uns vorgenommen,
mittags an der Fähre zu sein, wie uns der nette marokkanische Geschäftsmann
aus Agadir geraten hatte, um möglichst noch am hellichten Tage überzusetzen.
Vorsicht vor Drogendealern, die ihr Zeug gern an oder in Touristenautos
durch den Zoll schleusen, ist geboten.
Es ist ca. 14:20 Uhr, als wir an der marokkanisch-spanischen Grenze ankommen.
Nicht übers Ohr hauen lassen, selbstbewußt und möglichst
zügig über die Grenze zu kommen haben wir uns vorgenommen. Es
ist nicht voll, aber wir haben prompt wieder eine "nette marokkanische
Hilfskraft" unaufgefordert an unserem Auto hängen. Das Ausreiseformular
lassen wir uns zustecken, mehr jedoch nicht. Zielstrebig holen wir uns
die nötigen weiteren Formulare, Stempel und Informationen bei den
Zöllnern. Nachdem wir durch Vorzeigen der Reparaturrechnung für
die Windschutzscheibe auch die letzte Hürde genommen haben sind wir
in Spanien bzw. in Ceuta. 15 Minuten hat die Abfertigung an der Grenze
gedauert und wir haben kein Schmiergeld gezahlt!!
So, nun heißt es möglichst schnell Geld umzutauschen, Fährkarten
zu kaufen und einzuchecken, das Schiff geht um 16:30 Uhr, wir haben bereits
15 Uhr. Die Banken - es ist ja Sonntag - haben geschlossen. Wir fahren
also direkt zum Hafen auf das uns bereits bekannte Gelände. Ein netter
Mann, den wir fragen, bietet uns seine Hilfe an, er zeigt uns wo wir Geld
tauschen und Tickets kaufen können. Dies geht dann auch recht schnell
und problemlos. Auch Geld will er nicht haben. Drogen waren auch nicht
an unserem Auto befestigt worden. Es gibt eben auch einfach hilfsbereite
Menschen.
Mit den Tickets bewaffnet reihen wir uns also um ca. 15:20 Uhr in die Warteschlange
für die Fähre ein wo wir noch einmal vom spanischen Zoll kontrolliert
werden sollen. Wir warten und bereiten derzeit unsere heißersehnten
marokkanischen Erdbeeren vor. Es geht recht zügig voran. Bald schon
sind wir an der Reihe. Ungefähr drei bis vier Zöllner, davon
einer mit Spürhund sind dabei die "Verdächtigen" zu
kontrollieren. Ich fahre vor, Reisepässe und Tickets in der Hand -
und werde rausgewunken. Die Pässe werden nicht beachtet. Aussteigen
sollen wir - und tun dies. Der Mann mit dem Hund geht ums Auto herum -
Kofferraum öffnen. Sven öffnet den Kofferraum und schon wird
der Köter, aufgestachelt durch Zurufe seines Halters, auf unsere Sachen
losgelassen. Nachdem er das Bettlaken angesabbert hat und mit seinen Krallen
den Autolack zerkratzt hat soll die Beifahrertür und die Schiebetür
an der Seite aufgemacht werden. Wir machen dies. Unser Zeug schleppen wir
von der einen Seite zur anderen, er herrscht das totale Chaos. irgendwo
mittendrin sind unsere angezuckerten Erdbeeren, die wir natürlich
noch nicht essen konnten. Ein anderer Zigaretten rauchender Zöllner
kommt seinem Kollegen zu Hilfe. Es wird ernster! Im Auto klopft er mit
seinem Schraubenzieher alle möglichen Wände und vermuteten Hohlräume
ab, wobei ihm die Tatsache, daß ein VW-Bus letzteres wohl in größerer
Anzahl besitzt, so fasziniert, uns nicht ohne weiter intensive Kontrollen
durchfahren zu lassen. Jetzt geht die Arbeit richtig los! Barsch und unfreundlich
wie die ganze Zeit über schon, werden wir, ohne daß ein Wort
verloren wird, angewiesen, in einen kleinen Seitenraum zu fahren. Mit Hochdach
passen wir gerade hinein als ich dies vorsichtshalber noch überprüfen
will, werde ich schroff zur Seite gedrängt. So unfreundlich waren
wir bisher während unser ganzen Fahrt in Marokko nicht behandelt worden.
Dazu muß man erst wieder nach Europa ins EG-Land Spanien einreisen.!
Sven berichtet:
Nun wird rabiat unten am Auto rumgeklopft und überall rumgewackelt,
so daß ich schon Angst um unsere mühsam reparierten Kühlwasserschläuche
bekomme. Ein Zöllner (oder Hiwi) bekommt den einen Schrank im Bus
nicht auf, das darf dann doch ich machen. Naja, irgendwann bedeutet uns
einer der Typen, daß wir fertig sind. Wir dürfen nun dann ganze
Durcheinander wieder zusammenpacken. Unsere Fähre ist seit einer knappen
Stunde weg. Wir haben natürlich keine Ahnung, wo wir jetzt warten
sollen, aus den Zöllnern die uns aufgehalten haben, ist außer
Händefuchteln nichts herauszubekommen.
Wir warten jetzt einfach auf dem Anleger und kochen Nudeln mit Rührei.
Danach waschen wir ab, und lassen die ganze Brühe (aus Rache!!!) einfach
unters Auto ins Hafengelände pladdern. Wir haben noch etwas Zeit und
schauen uns die vielen Autos an, die vorm Zoll stehen. Wir sehen aufgeschlitzte
Kotflügel und Schweller, auseinandergenommene Motoren die im Kofferraum
liegen, ausgebaute und aufgeschlitzte Tanks; und das teilweise bei recht
neuen Autos. Vor so etwas sind wir zum Glück verschont geblieben.
Irgendwann kommt dann auch unsere Fähre, bevor wir hinauffahren, will
wieder ein anderer Zöllner unsere Pässe sehen. Nun können
wir endlich auf das Schiff. Auf der europäischen Seite kommt der dritte
spanische Zoll. Hier geht es (für uns zumindest) recht schnell. Wir
wollen, obwohl es schon dunkel ist, noch ein gutes Stück fahren. In
Malaga verfahren wir uns, weil ich einmal das Abbiegen verpennt habe. Nun
fährt Heike lieber.
Es geht jetzt hoch in die Sierran Nevada. Als wir, um 20-30 km zu sparen
eine Landstraße nehmen, stellt sich dies doch als Fehler heraus.
Wir müssen wegen einer Umleitung ca. 15 km eine klitzekleine Holperstraße
über die Dörfer nehmen. Wir kommen wieder auf die Autobahn. Es
geht bergauf und bergab, so daß Heike öfters mal in den dritten
Gang zurückschalten muß. Es kracht fürchterlich, wenn sie
dies tut. Wir tauschen noch einmal, aber auch bei mir kracht es. Naja,
ich mache mir noch keine ernsten Sorgen, schließlich haken und rumpeln
ja alle VW-Getriebe manchmal. Wir fahren kurz vor Granada hinter eine Tankstelle
auf einen Parkplatz oder so etwas ähnliches und übernachten dort.
30.1.1995 Sven berichtet:
Ich kontrolliere morgens noch das Getriebe auf Ölspuren - nichts!
Merkwürdigerweise sind hinten am Heck ein paar Ölflecken, aber
ich denke, die kommen wohl nicht von unserem Auto, sondern irgendwo von
der Straße oder so. Wir fahren morgens los, das Getriebe kracht immer
noch. Scheint also doch ein echter Defekt zu sein. Mit der Zeit bekomme
ich raus, daß, wenn man bei sehr niedriger Motordrehzahl schaltet,
das Krachen etwas leiser ist. Naja, wir fahren ja fast nur Autobahn und
müssen nicht so oft schalten. Trotz diesen Defekts wollen wir noch
in die französischen Alpen und Heikes Freundin Nicole besuchen, die
dort mit ihrer "Au-Pair-Familie" im Urlaub ist.
Heute kommen wir noch bis in die Pyrenäen und übernachten genau
an dem Platz, wo wir am Hinweg auch schon übernachtet haben. Wir duschen
noch im Auto und gehen dann schlafen.
31.1.1995 Sven berichtet:
Morgens gehen wir noch für unsere letzten Peseten einkaufen und fahren
direkt am Zoll wieder auf die Autobahn. Da wollen die von uns doch noch
40 Peseten (ca. 60 Pfennig) Autobahngebühr, die wir nicht mehr haben.
Umkehren geht angeblich auch nicht, aber mein amerikanische Eindollarnote
nimmt der Typ.
Die französiche Grenze ist problemlos. Wir kommen auf der teuren französischen
Autobahn gut voran. Wir können allerdings die Kassierer nicht überzeugen,
daß unser Auto ein Minibus ist, so müssen wir den teureren Tarif
für ein Campingfahrzeug zahlen. Wir fahren weiter Richtung französische
Alpen und verlassen die Autobahn möglichst nicht, um Schaltvorgänge
zu vermeiden. Kurz vor Marseille ist dies aber doch nötig, da die
Autobahn hier noch nicht durchgängig ausgebaut ist. Ich fahre mit
möglichst wenig Schaltvorgängen durch die Kreisverkehre, es klappt
recht gut, aber manchmal kracht es doch im Getriebe. Wir fahren in vielen
Windungen wieder auf die Autobahn, müssen wieder einen Mautzettel
ziehen. Nach zwei Minuten kommt schon die Zahlstelle. Umgerechnet 5.- DM
will man für die paar Kilometer haben. Unverschämt! Damit nicht
genug: Direkt hinter der Mautstelle winkt uns ein Zöllner heraus,
Zollkontrolle! Wir sind mitten in Frankreich. Jaja seit 1. Januar offene
Grenzen in Europa, dafür sind jetzt schon mitten im Land Wegelagerer.
Die Zöllner sind nicht besonders freundlich, fassen alles an, grabbeln
Heike in die Hosentasche und mir auch. Als sie erfahren, daß wir
aus Marokko kommen lassen sie ihren Köter durchs Auto springen, auch
über das Bett. Heike ist ziemlich wütend und zeigt das recht
offen. Man läßt uns dann auch schnell wieder fahren, aber das
war schon die zweite unangenehme Begegnung mit europäischen Zöllnern.
Wir sind beide enttäuscht und denken an die freundliche Marokkaner
zurück.
Wir fahren weiter in die französischen Alpen. Die südländische
Landschaft hört auf, draußen wird es kalt. Langsam kommen die
Alpen in Sicht. Es wird dunkel. Die Autobahn ist zuende, wir fahren Landstraße,
immer weiter ins Gebirge hinein. Den Ort den Nicole, die wir bei ihrer
französichen Gstfamilie besuchen wollen, angegeben hat (serre ch&ecute;valier)
ist irgendwie nicht richtig auf der Karte eingezeichnet. Wir fragen einen
Mann, der erzählt irgendwas von "grande montagne" zeigt
in alle Richtungen, ist aber auch nicht in der Lage uns weiterzuhelfen.
Wir kommen an einer Informationstafel mit Landkarte vorbei. Darauf erkennen
wir, das "serre ch&ecute;valier" ein Berg bzw. Gebirgszug
ist. Nachdem wir einige Zeit gesucht haben, finden wir dann doch noch den
richtigen Ort. Wir suchen uns ein schönes Plätzchen im Schnee,
parken dort und kochen Spaghetti-Carbonara. Nachts wird es nur -14°
C, obwohl wir uns wie in der kalten Nacht im Antlas-Gebirge auch auf 1600
m Höhe befinden, aber gutes Stück weiter nördlich sind.
1.2.1995
Sven berichtet:
Am nächsten Morgen fahren wir auf den zentralen Parkplatz des Dorfes,
um dann zum Bäcker zu gehen. Natürlich fahre ich mich auf dem
verschneiten Parkplatz fest. Mit Schieben und freischaukeln komme ich auch
nicht los. Also kommt Heike ans Steuer, unter das durchdrehende Rad kommt
ein Brett, und ich schiebe den Bus dann los. Das Brett fliegt nach hinten
weg, genau in einen kleinen Fluß hinein und verschwindet auf Nimmer-
wiedersehen, aber der Bus kommt los.
Wir frühstücken und suchen dann ein Münztelefon, weil wir
keine Telefonkarte kaufen möchten. Wir gehen durch verschiedene Gaststätten,
aber keine hat ein funktionierendes Münztelefon. Also kauft Heike
doch eine Karte, um ein Ortsgespräch zu führen, und ruft Nicole
an.
Nicole holt uns sogleich ab, wir gehen zurück zu dem Haus wo ihre
Au-Pair-Familie ihre Ferien verbringt. Die Familie hat das Haus zusammen
mit zwei weiteren Familien, sowie den Großeltern gemietet. Sie kommen
dann auch bald vom Ski fahren zurück und wir dürfen sogleich
mit ihnen zu Mittag essen.
Nachmittags gehen wir mit den Kindern und der Großmutter spazieren.
Abends nehmen wir an der allgemeinen Mahlzeit teil, irgendwie empfinden
Heike und ich das als etwas unangenehm, ständig die ganzen Familien
um uns zu haben. Deshalb gehen wir nach dem Essen noch mit Nicole in eine
crˆperie, trinken etwas und unterhalten uns.
Heike und ich wollen noch heute abend wieder los fahren. Da wir ja ein
defektes Getriebe haben, wollen wir noch etwas Zeitpuffer haben. Wir fahren
mitten in der Nacht los, und wollen möglichst auf einer Paßhöhe
übernachten. Obwohl wir immer höher fahren, wird es kaum kälter,
die Temperatur ist nur knapp unter dem Gefrierpunkt. Als ich einen als
Nachtlager vielversprechenden Weg in einer Kehre sehe, fahre ich hinein.
Leider ist er spiegelglatt und geht leicht bergauf. Ich komme nicht weiter
und muß rückwärts wieder raus. Da ich nichts sehe, schicke
ich Heike nach draußen, damit sie mir sagt, wie ich fahren soll.
Das tut sie auch, fängt auf einmal aber fürchterlich an zu schreien.
Ich weiß erst überhaupt nicht was los ist. Sie ist mit einem
Bein ausgerutscht und fast unter das Vorderrad geraten, Da ich ganz ganz
langsam fuhr konnte sie das Bein gerade noch wegziehen. Sie war völlig
fertig, auch ich habe mich sehr erschrocken, als mir klar wurde, was da
fast passiert wäre. Wir fahren noch ein Stück und campen dann
auf einem Parkplatz am Straßenrand immer noch im tiefen Schnee...
2.2.1995 Sven berichtet:
Wir fahren morgens los, obwohl nicht viel Verkehr ist, befinden wir uns
auf einmal in einem riesigen Stau. Nichts geht mehr. Nach ca. zehnminütiger
Wartezeit setzt sich die lange Autoschlange auf einmal in Bewegung. Weiter
vorne ist eine Baustelle mit Ampel, die den Verkehr immer nur in eine Richtung
durchläßt. Die Ampelphase ist unheimlich lang. Wir finden noch
eine superbillige Tankstelle bei einem Supermarkt und kaufen auch gleich
noch ein paar Kleinigkeiten.
Weiter geht es Richtung Schweiz. Der kürzeste Weg nach Hause führt
über die Schweiz. Leider werden wir in der Schweiz eine Autobahnvignette
kaufen müssen. Landstraße wollen wir mit dem schlecht zu schaltenden
Getriebe lieber nicht fahren. So müssen wir dann an der Grenze 50.-
DM berappen. Den Aufkleber zieht man auch gleich ab, so daß wir eigentlich
gezwungen sind, ihn von innen auf die Windschutzscheibe zu kleben. Wir
befeuchten aber die nicht klebrige Seite und kleben ihn falschherum an
die Scheibe. Fällt überhaupt nicht auf und die Vignette ist wiederverwendbar.
Es regnet. Unser schöner Saharasand wird abgespült. An einem
Rastplatz halten wir an. Da wir in der Schweiz nicht tanken wollen, fülle
ich den 20 Liter Reservekanister ins Auto. Bald schon sind wir in Deutschland.
Wir haben beide unheimlich Appetit, chinesisch Essen zu gehen. Wir fahren
nach Freiburg. Erst wechsle ich bei einer Bank noch meine verbliebenen
Travellerschecks ein, da ich sonst kein Geld mehr habe. Wir kurven umher,
aber finden keinen Chinesen. Heike will noch telefonieren. Wir finden immerhin
eine Telefonzelle und auch direkt dort einen Parkplatz. Als wir aussteigen,
sehen wir, daß wir direkt vor einem chinesischen Restaurant stehen.
Es sieht aber ziemlich edel aus, und wir ziemlich zerlumpt. Wir gehen trotzdem
hinein und essen sehr gut. Danach rufen wir noch zu Hause an.
Weiter geht es auf der Autobahn. In der Nähe von Frankfurt übernachten
wir auf einer Autobahnraststätte.
3.2.1995 Sven berichtet:
Am nächsten Morgen fahren wir los, nachdem Heike einen überteuerten
Kaffee in der Raststätte getrunken hat. Kurz vor Frankfurt fahren
wir noch einmal von der Autobahn, um Brötchen und Aufschnitt zu kaufen.
Heike springt aus dem Auto und kauft ein, ich fahre noch einmal um den
Block und sammle sie dann wieder auf. Wir frühstücken dann wieder
im Auto während der Fahrt. Wir fahren schnurstracks nach Hamburg.
In Stellingen fahren wir von der Autobahn ab, um unsere Filme gleich zu
Makro-Markt zum Entwickeln zu bringen. Dann fahren wir nach Hause nach
Schenefeld. Beim Auspacken des Wagens bemerke ich eine große Öllache
unter dem Auto. Außerdem ist das Heck voller Ölspritzer. Das
Öl stinkt nach Getriebeöl. Das Getriebe ist hin!
- ENDE -
Du bist Leser Nummer
seit dem 15.11.1997