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Durch Marokko mit dem VW-Bus Winter 1995

von Heike Klauß und Sven Hörberg Für die Nur-Text-Version hier klicken


26.12.94 Sven berichtet:
Ich packe nachmittags das Gepäck im Hochdach vom VW-Bus, aber der Schlitten mit dem wir im hohen Atlas Schlitten fahren wollen will nicht mehr so richtig hinein passen. Wir fahren dann los nach Schenefeld, wo ich wohne aber schon kurz vorm Heidacker merken wir, daß die Heckklappe sperrweit offen steht.


31.12.94 Heike berichtet:
21:30 Uhr Abfahrt Schenefeld zur Silversterparty von Britta und Ulf bei 6° C.


1.1.1995 Sven berichtet:
Es ist jetzt 1:07 Uhr. Wir haben noch Kühlwasserrohrreste vom Baumacker geholt. Falls einer der selbstgezimmerten Schläuche des Kühlwasserkreislaufes kaputt geht, können wir damit flicken. Heike fährt jetzt.


Heike berichtet:
Es ist jetzt 10:48 Uhr. Ich bin gerade aufgestanden, wir sind aber schon weitere 145 km von Dammer-Berge-Raststätte bis zur Raststätte Lichtendorf (Kamener Kreuz) gefahren. Zur Zeit schneit es ein wenig und es ist leicht windig. Gestern abend bin ich noch ca. 170 km bis Cloppenburg gefahren. Die Autobahn war leer, und es war ein gutes Fahren. Der Wagen ist durch die Beladung träger geworden, so daß wir im Schnitt 10-15 km/h langsamer fahren als normalerweise. So liegt unsere Durchschnittsgeschwindigkeit bei 90 km/h bei einem geschätzten Verbrauch von 15 Liter (normal: 9 Liter)!!! Das erste mal haben wir in Hagen an einer Automatentankstelle in einem Industriegebiet getankt, die wir doch schon 20 Minuten, nachdem wir von der Autobahn abgefahren waren, gefunden hatten. Autobahntankstellen meiden wir grundsätzlich.

Sven ist gestern abend noch ca. 30 km von Cloppenburg bis Lohne/Dinklage gefahren, bis ihn dann doch die Müdigkeit übermannte, so daß sein überaus heldenhafter Tatendrang und Fahreifer in seine natürlichen Schranken gewiesen wurde. Aus Solidarität war es mir natürlich nicht anders möglich, als mich ebenfalls schlafen zu legen.


Sven berichtet, ca. 17 Uhr: Wir sind jetzt hinter Trier (wo wir bei McDonalds gespeist haben) und finden keine Tankstelle mehr. Das Gaspedal klemmt etwas, und springt nicht mehr richtig in Leerlaufstellung zurück. In einer Panikaktion schraube ich vorne unter dem Gaspedal das Gehäuse ab (und alle Schrauben gehen überraschenderweise ganz leicht los...), öle den Gaszug und - es scheint zu funktionieren. Heike kocht Kaffee. Es ist jetzt 17:15 Uhr und immer noch recht hell für die Jahreszeit. Wir fahren ja auch nach Südosten.


2.1.1995 Sven berichtet:
Nachdem nachts ein fürchterlicher Schneesturm tobte, so daß der ganze VW-Bus gewackelt hat (viel Sturm, wenig Schnee), war das Wetter morgens sonnig, aber kalt. Wir haben an der Route-National ca. 30 km vor Lyon übernachtet. Die teure französiche Autobahnegebühr wollen wir uns sparen. Heike ist gestern noch stundenlang (bis ca. 2 Uhr) durch die Nacht gefahren. Unser Warmwasser hatte sich bis auf 62° C erwärmt, war aber morgens auf 27° C abgekühlt. Ich habe einen 30-Liter-Kanister über eine Pumpe und ein "Scheibenwasservorwärmungsgerät" so angeschlossen, daß während der Fahrt das Wasser durch den Kühlwasserkreislauf erwärmt wird. So haben wir immer warmes Wasser (wenn wir gefahren sind).

Ungefähr um 10:45 Uhr sind wir in Lyon angekommen, ziemlich genau an der Stelle, wo Heike vor einiger Zeit im Urlaub war. Erst sind wir schnurstracks zu McDonalds gelaufen, um die Toiletten, und nur die, in Anspruch zu nehmen. Kurz vor Lyon wurden wir ja von einem anderen McDonalds enttäuscht, der noch zu hatte. Dann zeigt mir Heike noch einige Stellen, die Ihr von Ihrem Aufenthalt im Herbst 1993 noch bekannt sind. Wir schlendern noch über den Markt, wo wir eine Nagelbürste, Sicherheitsnadeln ein Haarfänger für den Duschabfluß (zu Hause) sowie ein kleines Portemonnaie für Heike kaufen. Dann kaufen wir noch Brot. Zurück am Wagen kochen wir erst einmal Kaffee.

Wir irren zur Autobahn, fahren natürlich erst in die falsche Richtung einen Berg hoch. Heike schmiert mir Baguettes, so frühstücken wir während der Fahrt. Danach setzt sich Heike wieder ans Steuer. Ca. um 16 Uhr, während ich gerade hinten im Wohnteil herumhantiere, wird die durch Ortschaften rasende Heike von der Polizei herausgewunken. Eine Frau stellt uns ein paar Fragen, wo wir herkommen, wo wir hin wollen, warum wir gerade diese Provinz besuchen, und wie uns die Landschaft gefällt. Dann dürfen wir weiterfahren. Uff, das war zum Glück nur eine Touristenumfrage.

Plötzlich ändert sich die Landschaft und wird sehr südländisch. Heike fährt durch den Berufsverkehr von Nîmes und Montepellier; in den Kreisverkehren wird mir immer ganz anders, vorallendingen dann, wenn sie die linke Spur nimmt um schneller voranzukommen. Hinter Montepellier setze ich mich wieder ans Steuer. Seit ca. 18 Uhr ist es dunkel. Die Straßen sind leer, es läßt sich gut fahren. Heike legt sich bald nach hinten und schläft. Kurz vor der spanischen Grenze kann man die Pyrenäen erahnen. (Es ist Neumond.) Heike wacht auf, und muß unbedingt aus einem hell leuchtenden Cola-Automaten zwei Dosen Cola kaufen. So haben wir wenigstens Kleingeld zum telefonieren, was wir dann auch noch tun. Als ich im Wagen sitze und auf Heike warte, fällt mir auf, daß die gelbe Vorglühkontrolleuchte manchmal kurz flackert. Wahrscheinlich ist ein Kabel lose. Wir fahren über die Grenze und dann einen kleinen Weg hinunter in den Wald. Ich muß Heike überreden über Nacht dort zu bleiben, weil sie Angst vor "baskischen Separatisten" hat. Sie besteht darauf, daß ich das Radio aus der Halterung nehme weil ja sonst dunkle Gestalten aus diesem einsamen Wald angelockt werden könnten.

Wir bauen die Dusche auf, und duschen noch, es funktioniert ganz gut. Unsere Dusche ist eine Art zusammenfaltbares Riesenkondom, welches man innen im VW-Bus aufstellen kann. Unsere Gasheizung ist auch als Haarföhn ganz passabel zu gebrauchen.


3.1. Sven berichtet:
Morgens scheint die Sonne, aber es ist kalt. Ein paar Pfützen sind zugefroren. Wir räumen den Bus auf und frühstücken mit Rührei und aufgebackenen Brötchen. Der Backofen funktioniert ganz gut, nachdem er bei der ersten Inbetriebnahme den ganzen Bus eingenebelt hat. Er ist zwar ziemlich klapprig aber insgesamt gesehen erfüllt er doch seinen Zweck. Es handet sich im Prinzip um eine faltbare Blechschachtel mit Ofenrost, die man auf den Herd stellt.

Gegen zwei Uhr mittags fahren wir dann los. Heike sitzt am Steuer. Im Hintergrund sehen wir die Pyrenäen mit verschneiten Gipfeln. Bei dem Versuch sie zu fotografieren, verfahren wir uns in den engen Gäßchen von Figueras, die Heike aber gut meistert. Gegen 15:30 Uhr tanken wir und füllen unsere Wasserkanister wieder auf. Heike macht die Fenster sauber und würde am liebsten noch das ganze Auto waschen. Während ich Tagebuch schreibe, fahren wir aus Versehen nach Barcelona hinein. Heike wendet im chaotischen Stadtverkehr, irgendwann finden wir den richtigen Weg wieder. Rasende Motorradfahrer schlängeln sich von allen Seiten an uns vorbei.


Heike berichtet:
Sven und ich verlassen kurz nach Barcelona die Landstraßen, haben Cockpit-Wechsel gemacht und sind nun auf der wesentlich schöneren und einfacher zu befahrenden Autobahn. Dort zahlen wir zwar die Autobahngebühren, kommen aber auch wesentlich schneller voran.

Gerade haben wir Valencia hinter uns gelassen und noch einmal vollgetankt. Sven läßt es sich nicht nehmen, die überteuerten Gebühren für Lkws zu zahlen, wenn auch nur für eine Ausfahrt. Auf einmal kam doch frecherweise die Gebührenkarte oben (Lkw-Schlitz) anstatt unten (Pkw-Schlitz) heraus. Sven wundert sich noch, warum er sich dieses mal so nach der Karte strecken muß, hat sich sonst aber nichts weiter dabei gedacht. Direkt hinter dieser Mautstelle kommt eine richtige Polizeikontrolle, die den Führerschein von Sven sehen will. Nur dadurch werde ich wach. Wir sind kurz hinter Valencia.

Im Moment stehen wir auf einem Rastplatz, Sven geht einem persönlichen Bedürfnis nach, während ich mich auf die Weiterfahrt vorbereite. Wir haben das Ziel, noch bis Alicante zu kommen, um morgen Gibraltar bzw. Algeciras erreichen zu können. Ob wir das schaffen??? Mal sehen ob wir am 4. oder am 3. Tag übersetzen nach Marokko!!! Sven legt sich nach hinten und schläft während ich fahre.


Die spanische Sierra Nevada4.1.1995 Sven berichtet:
Als ich aufwache ist es schon 1 Uhr nachts. Wir tanken noch, ich fahre wieder. Wir fahren noch bis kurz vor vier und übernachten in der Nähe von Baza. Morgens stellt sich unser Übernachtungsplatz als ziemliche Müllhalde dar. Im Schatten ist Rauhreif auf dem Gras.Wir fahren weiter Richtung Algeciras. Teilweise sieht die Landschaft aus, wie auf dem Mond, kurz später wieder wie in Skandinavien. Wir sind in der Sierra Nevada. Irgendwann erreichen wir wieder die Küstenautovia (Eine Art Autobahn, die aber nichts kostet). Kurz vor Algeciras kaufen wir in einem riesigen Supermarkt noch ein paar Kleinigkeiten. Dann kaufen wir Fährtickets und versuchen noch die 18-Uhr-Fähre zu erreichen, die wir aber knapp verpassen.

Um 20 Uhr werden wir von einem unfreundlichen Spanier auf die Fähre gelotst, der immer nach rechts zeigt, wenn ich geradeaus fahre, dafür aber geradeaus zeigt, wenn ich nach rechts fahre. Der Typ bekommt dann noch einen Wutanfall und markiert den wilden Mann, aber ich bleibe dann da stehen wo ich bin, weil ich wirklich nicht weiß, was er nun will. Auf der Fähre treffen wir noch einen Wiener, der eigentlich nach Tanger will, aber das falsche Schiff erwischt hat. In Ceuta angekommen kurven wir noch etwas durch den Hafen, und übernachten dann im Hafengelände hinter drei anderen Wohnmobilen.


5.1.1995 Sven berichtet:
Nachts muß Heike noch auf Toilette. Die Klos sind aber alle abgeschlossen, so irrt sie im Hafengelände hin und her und macht dann hinter eine Palme als gerade niemand vorbeikommt. Hinter unserem Auto liegen einige Marokkaner, die auf Decken schlafen.

Morgens fahren wir dann zur marokkanischen Grenze, mit der festen Absicht, uns von keinem Marokkaner gegen Geld vollabern zu lassen. Das klappt auch ganz gut, bis man die grüne Versicherungskarte von uns haben will, die wir aber nicht besitzen, weil die blöde DBV-Versicherung sich geweigert hat, diese für Marokko gültig zu schreiben. Eine Versicherung in Marokko ist (angeblich) sehr teuer, aber ein aufdringlicher marokkanischer Guide will uns für 200 Dirham Provision (ca. 36.- DM) eine Versicherung in Ceuta zeigen, die deutlich billiger ist. Uns bleibt wohl nichts anderes übrig, als auf den Kuhhandel einzugehen. Die Versicherung kostet immer noch 200.- DM. (Im Reiseführer stand etwas von ca. 400 Dirham das sind keine 80.- DM !) Als wir nach dem Grenzübertritt auf der marokkanischen Seite Dirham eintauschen wollen, um unseren Guide auszuzahlen, tun wir so, als ob wir nur Travellerschecks hätten, die die kleine Bank an der Grenze natürlich nicht nimmt. Ich gebe unserem Guide dann unsere letzten Peseten, die er auch nimmt. Wir kommen uns besonders geschickt vor auf diese Weise etwas Geld gespart zu haben, als wir jedoch nachrechnen, merken wir, daß wir statt der geforderten 36.- DM über 50.- DM losgeworden sind. So ein Pech. Ansonsten war die Grenzkontrolle ziemlich problemlos. Der Zöllner mußte zwar alles angrabbeln, und dachte mein Deostift wäre ein Tränengasspray, aber nach ca. 5 Minuten war er mit unserem Auto fertig.

Störche
Schon an der Grenze hatte man uns auf den großen Berbermarkt in Tétouan aufmerksam gemacht, der nur einmal im Monat stattfindet. Kurz vor Tétouan spricht uns an der Ampel von der Seite ein marokkanischer Mopedfahrer an, erzählt uns auch von dem Markt und verschwindet wieder. Wir denken schon, es gibt auch Marokkaner, die einen nur aus Nettigkeit auf den Markt aufmerksam machen würden. Wie zufällig treffen wir ihn an der nächsten Ampel wieder und an den nächsten drei Ampeln auch. Er fährt immer vor uns her, und zeigt uns einen "bewachten Parkplatz" auf dem wir parken könnten. Der Parkplatz war ein ganz normaler Straßenrand, ein Wächter mit goldener Plakette läuft dort herum. Wir fahren weiter, weil wir auf einmal keine Lust mehr verspüren, den Markt zu besuchen und uns von dem Typen vollabern zu lassen, um ihm dafür mit Sicherheit hinterher auch noch Geld geben zu müssen. So fahren wir wieder in Richtung Hauptstraße.

Wir haben noch immer kein marokkanisches Geld, die Banken haben Mittagspause und unser Tank ist auch nicht mehr besonders voll. Wir fahren nun weiter in Richtung Chefchaouen. Der Sprit reicht wohl noch für die nächsten 60 km, und im Notfall haben wir ja noch volle Kanister.

Auf der Strecke nach Chefchaouen, die ja am Rande des Rif-Gebirges verläuft, stehen am Straßenrand immer wieder Haschischverkäufer, die uns mit ihren braunen Päckchen zuwinken. Mit zwei Fingern wollen sie uns wohl signalisieren, daß sie 200 Dirham haben wollen. Die Straße wird teilweise so steil, daß der zweite Gang kaum noch ausreicht. In Chefchaouen finden wir zügig eine Bank, Heike tauscht einen Travellerscheck über 100.- DM, ich löse einen Euroscheck über 2000.- Dirham ein. Eine Tankstelle finden wir auch schnell und tanken den günstigen marokkanischen Sprit.


Nachdem wir uns nur einmal verfahren haben, finden wir auch den im Marokkoführer beschriebenen Campingplatz. Die Klos sind recht schlecht. Es handelt sich um Löcher im Boden, daneben ist ein Eimer mit Wasser zum hinterherspülen. Neben dem Eimer ist ein Korb für das Klopapier. In Erika Därrs Marokkobuch sind die Sanitäranlagen als "annehmbar" bezeichnet. Am späten Nachmittag gehen wir noch nach Chefchaouen hinunter. Wir gehen eine Abkürzung über einen Geröllhang, einen Friedhof, dann direkt durch die verwinkelten Gäßchen der Medina in die Stadt hinein. Unten in der Medina sind viele Verkaufsstände. Wir werden nur einmal kurz angequatscht. Als wir die Medina verlassen und in der "modernen" Stadt sind, dauert es nicht lange, bis uns ein aufdringlicher Typ verfolgt, der uns unbedingt die Medina zeigen will. Nachdem wir merken, daß wir den interessanten Teil der Stadt schon gesehen haben, wollen wir auf dem gleichen Weg wieder zurück zum Campingplatz, den wir auch gekommen sind. Wir stapfen selbstbewußt durch die Gäßchen der Medina, der Typ verfolgt uns noch eine Zeit, gibt dann auf. Wir finden tatsächlich auf Anhieb den richtigen Weg zurück zum Campingplatz.

Wir begeben uns noch einmal in den Wald, weil die Toiletten auf dem Campingplatz doch recht unangenehm sind, dann essen wir aufgebratene Nudeln und gehen schlafen.


6.1.1995 Heike berichtet:
Nachdem wir aufgestanden sind, frühstücken wir gemütlich. Wir haben Zwiebelbaguette, Brötchen und Croissants aufgebacken. Der Ofen funktioniert richtig gut.

Nach dem Frühstück füllen wir unsere Wasserreserven auf und bezahlen. Insgesamt bezahlen wir für die eine Nacht 30 DH was wohl für die Ausstattung ganz angemessen ist. Um 12:30 Uhr fahren wir endlich los.

Wir fahren bis zur nächsten Hauptstraße, wo uns noch einige Haschhändler ihre Päckchen anbieten. Dort wählen wir zuerst die falsche Richtung. Wir merken dies schnell und drehen um. Anstatt Richtung Rif- Gebirge (Al Hoceima) fahren wir nun also nach Mèknes. Wir fahren durch kleine Orte und eine Stadt (Ouzane), immer an saftigen, fruchtbaren Hügeln vorbei. man merkt, daß wir uns im fruchtbarsten und landwirtschaftlich am meisten genutzten Gebiet Marokkos befinden. Es gibt neben Eseln, Ziegen und Schafen sogar hier und da ein paar schwarzweiße Kühe. Die Äcker werden so bestellt, wie das wohl früher bei uns auch war: Nicht mit Hilfe von Traktoren und modernen Landmaschinen, sondern es werden zwei Esel oder Mulis vorgespannt.

Marokkanische Landschaft bei MeknesAuf der weiteren Fahrt nach Mèknes wechseln ich und Sven noch einmal die Plätze, so daß ich auch noch einmal für kurze Zeit fahre. Als wir dann um 16:15 Uhr in Mèknes ankommen, wissen wir erst gar nicht genau, welche Richtung wir zum Campingplatz nehmen müssen. Die Ausschilderung ist dürftig und unser Kartenmaterial beschränkt sich auf einen Übersichtsplan im Reiseführer. Daher ist es nicht überraschend, daß wir uns ein wenig verfahren und erst nach einiger Zeit den Campingplatz finden. Der Weg führt entlang der 40 km langen alten Stadtmauer durch enge Torbögen hindurch. Als wir ankommen, werden wir für unsere Mühe vollkommen belohnt. Nachdem wir an der Rezeption die Formalitäten erledigt haben (das Campingcarnet stellt sich langsam als eine sehr sinnvolle Anschaffung heraus) werden wir auf unseren Stellplatz - mit Stromanschluß - geführt. Die Verheißungen von einer Freundin, daß dies einer der besten und saubersten Campingplätze Marokkos sein sollte, bestätigen sich ohne Einschränkungen. Ein Marokkaner bietet uns für den nächsten Tag eine Führung durch Mèknes an, und wir willigen ein.

Am Abend erwarten uns die heißersehnten warmen Duschen für 7 DH. Ich genieße das warme Wasser und nutze es natürlich auch dazu, endlich meine Haare zu waschen, hierfür wird es allerhöchste Zeit. Dies nimmt dann also ca. eine Stunde in Anspruch, lohnt sich aber auch richtig.

Nach dem Duschen macht sich bei uns ein Hungergefühl breit, und wir beschließen, daß zum Campingplatz gehörende "einheimische" Restaurant auszuprobieren. Als wir dort Platz nehmen, gibt es keine Speisekarte. Um kein Risiko einzugehen, beschließen wir beide ein "poulet rôti avec des frites" und eine Pepsi zu bestellen. Nicht gerade sehr einfallsreich, aber schmeckt ganz gut. Die Portionen sind aber etwas mager.


7.1.1995 Sven berichtet: Um kurz nach acht klingelt der Wecker, und wir müssen auch schnell aufstehen, da wir ja um neun Uhr mit einem Stadtführer verabredet sind. Es war ein Preis von 30 DH abgemacht. Der Führer führt uns weg vom Campingplatz und erzählt uns dabei einiges über die Stadtmauer und die Stadt. Plötzlich hält ein Taxi mit zwei Marokkanern an, unser Führer übergibt uns an seinen Freund, sagt der könne auch deutsch, und werde die Führung zum gleichen Preis machen. Mit dem Taxi fahren wir erst auf einen Berg, die Medina von oben betrachten. Dann fahren wir ins Gerberviertel. Wir dürfen natürlich noch 20 DH für die Fahrt in dem versifften Taxi zahlen. Wir laufen eine ganze Zeit durch die Stadt und unser Führer zeigt uns auch einiges, z.B. im Gerberviertel wie Leder bearbeitet wird, ein türkisches Bad, einen Bäcker wo man sein Brot selbst zum Backen hinbringt und viel Kunsthandwerk.



Natürlich fehlt auch der obligatorische Teppichhändler nicht. Ich habe den festen Vorsatz nichts zu kaufen, und so stört es mich auch nicht, wie der Händler einen Teppich (oder Kilim=Webteppich) nach dem anderen ausbreitet, und uns erzählt, wie schön die Teppich doch seien. Heike macht schon ein etwas komisches Gesicht. Irgendwann, als schon ungefähr 30 Teppiche vor uns ausgebreitet sind, bietet uns der Händler Pfefferminztee an. Ich nehme das Angebot an, weil ja auch in allen Reiseführern steht, daß man das ruhig machen kann. Heike guckt wieder ganz irritiert. Der Tee ist mit frischen Minzeblättern aufgebrüht, und man tut einen großen Löffel Zucker hinein. Immer mehr Teppiche werden vor uns ausgebreitet. Als der Tee alle ist, sage ich Heike, daß wir jetzt gehen sollten (ohne Teppich). Sie hat aber das Gefühl, daß wir das jetzt nicht so einfach machen könnten und ist etwas unwillig. Ich raune ihr zu, daß wir nichts kaufen wollen! Sie guckt ganz komisch und sagt, daß die Teppiche doch eigentlich ganz schön wären. Ich sage "Neineineinein". Die Händler bekommen das natürlich auch mit. So werde ich (fast) unbemerkt etwas von Heike weggelockt, damit der eine Händler sie besser (ohne meinen Einfluß) bearbeiten kann. Das merke ich natürlich auch irgendwann und drängele mich wieder zu Heike zurück. Heike will jetzt wohl wirklich einen kleinen Kilim kaufen. 300 Dirham war inzwischen der von 600 Dirham runtergefeilschte Preis (ca. 50.- DM). Ich versuche noch einmal Heike von dem Teppichkauf abzubringen, aber es hilft alles nichts; wir verlassen den Laden mit einem Teppich mehr und 300 Dirham weniger.

Wir schlendern noch etwas durch die Altstadt, bezahlen unseren Guide, der tatsächlich nicht mehr haben will als die vereinbarten 30 Dirham (pro Person natürlich...) und gehen zum Campingplatz.


Heike berichtet:
Dort angekommen, beschließt Sven, die günstige Gelegenheit zu nutzen, um den fälligen Öl- und Ölfilterwechsel vorzunehmen. Währenddessen hole ich einen Eimer Wasser, gebe etwas Pril dazu und säubere so das Auto mit einem nassen Lappen oberflächlich. Nachdem Sven fertig ist, und sich sauber gewaschen hat, machen wir uns etwas zum Essen. Wir beide haben Appetit auf etwas herzhaftes, und so gibt es echte bayerische Weißwürstel aus der Dose mit spanischem Brot. Zum Nachtisch gibt es dänische rote Grütze mit Dosensahne. Danach legen wir uns beide schlafen, Sven kocht sich abends noch eine Gulaschsuppe. Wir lesen noch ein wenig in unseren Büchern und schlafen ein.


8.1.1995 Heike berichtet:
Morgens um 10 Uhr stehen wir auf. Ich bin bereits wach, bevor die Sonne aufgeht, weil ich auf Toilette muß. Als ich wieder zum Auto zurückkomme sehe ich, wie unsere österreichischen Nachbarn ihre Sachen bereits packen und ihren Hund ausführen. Ich denke mir nichts dabei und wundere mich nur ein wenig, daß sie schon so früh loswollen und lege mich wieder schlafen.

Später, als wir um ca. 12:40 Uhr auch losfahren wollen, stellt es sich als Pech heraus, so spät aufzubrechen, denn die Rezeption hat noch bis ca. 14 Uhr Mittagspause. Vor der Abfahrt hatten wir beide morgens noch einmal warm geduscht, gemütlich gefrühstückt und Sven hatte den Luftfilter gewechselt, was bestimmt überfällig war. Der Luftfilter war nämlich noch der des Vorbesitzers. Um 14 Uhr fahren wir nun endlich los. Wir hatten noch am Morgen von unseren deutschen Nachbarn den Tip bekommen, doch auf jeden Fall Richtung Er-Rachidia nach Taouz zu fahren. "Es lohnt sich, auf jeden Fall, wenn man als Europäer mal richtige Wüste mit Sanddünen und so sehen will". Dies waren die Worte des Darmstädters, und wir beschlossen daraufhin, nicht nach Taza (alte Berberstadt) zu fahren, sondern über Ifrane, Midelt und Er-Rachidia nach Taouz in die marokkanische Wüste! Auch ohne Sandbleche hätten wir dort keine Probleme. Zwar müßten wir wohl zeitweise im 1. Gang kämpfen, aber selbst wenn wir Pech hätten und steckenblieben, würde bald ein R4 vorbeikommen, anhalten und uns raushelfen sagte der Darmstädter. Erwartungsvoll fahren wir also los.

Die erste Station ist Ifrane. eine - wie uns unser marokkanischer Führer in Mèknes bereits angekündigt hatte - sehr europäisch aussehende, kleine Stadt auf 1650 m Höhe im mittleren Atlas gelegen. Ehemals für Franzosen als Wintersportort eingerichtet, tummeln sich heute neben Europäern vorwiegend die marokkanische High-Society, dies allerdings überwiegend im Winter zum Ski laufen. Letzteres erscheint uns etwas rätselhaft, da, zumindest dieses Jahr, weit und breit kein bißchen Schnee zu sehen ist. Die Häuser sind spitzgiebelig, groß, sind mit roten Dachziegeln bedeckt und haben Schornsteine. Die Kastanien- und Pappelalleen führen aus dem Stadtzentrum zu den Villen heraus und am Straßenrand fällt unser VW-Bus einfacher Bauart zwischen den noblen BMWs, Mercedes und größeren Renaults der betuchten marokkanischen Gesellschaft direkt auf. Man kommt sich richtig heimisch hier vor. Da es überall Münztelefone gibt, und wir uns auch noch nicht aus Marokko gemeldet haben, rufe ich noch in Hamburg an und erzähle wie es uns bisher ergangen war.

Im AtlasgebirgeSven berichtet:
Wir fahren dann weiter Richtung Midelt durch den mittleren Atlas. Die Landschaft ist ziemlich karg und die Sonne geht bald unter. Wir entschließen uns, wild zu campen und stellen uns etwas abseits der Straße auf ein Geröllfeld neben einen kleinen Fluß. Das Außenthermometer zeigt bereits knapp unter Null Grad. Ich pansche noch etwas von dem aus Deutschland mitgebrachtem Winterdiesel in den Tank, damit wir am nächsten Morgen keine Startschwierigkeiten haben.

Wir kochen uns Käsnudeln und gehen dann schlafen. Das Außenthermometer ist immer weiter gesunken und steht mittlerweile bei -11° C. Ich fürchte allmählich um unseren sicheren Start am nächsten Morgen, weil ich doch nicht so wahnsinnig viel Winterdiesel dazugemischt hatte.

Unsere Standheizung läuft dauerhaft, aber richtig warm wird es nicht mehr im Auto. Wir haben die Heizung allerdings auch nur auf kleiner Stufe laufen, da die große Stufe so laut ist. Nachts gegen drei Uhr wachen wir beide auf. Es ist draußen mittlerweile -16° C. Der Orangensaft der auf dem Boden des Autos steht, ist gefroren. Das Bett ist ja ca. 50 cm höher, dort ist es nicht so kalt.

Als ich kurz aufstehe und Licht anmachen will, bricht die gesamte Stromversorgung zusammen, d.h. die Heizung geht auch aus. Ich denke erst, eine Sicherung wäre durchgebrannt. Ich wühle eine Sicherung unter dem Bett heraus. Als ich sie einsetzen will, sehe ich, daß die Schutzschaltung für die Batterie aktiv ist. Diese Schutzschaltung schaltet alle Stromverbraucher ab, wenn die Batterie fast leer ist, um diese vor Tiefentladung zu schützen. Ich drücke den Notknopf, die Heizung läuft erst einmal wieder. Die Batterie, die in der kalten vom Vorhang abgetrennten Fahrerkabine steht, ist wohl etwas unwillig. Ich lege den Vorhang so, daß die Batterie wenigstens etwas mehr Wärme abbekommt. Trotzdem habe ich Angst, daß die Batterie im Laufe der Nacht versagen würde und wir dann bei der Kälte ohne Heizung dastünden. Die Temperatur sinkt zwar noch auf -17° C, aber irgendwann geht dann auch die Sonne wieder auf.

Eiskristalle Noch mehr Eiskristalle
9.1.1995 Sven berichtet:
Die Temperatur steigt sprunghaft wieder an, und hat gegen 9 Uhr schon ca. +10° C erreicht. Wir frühstücken, und ich baue die Heizung so um, das warme Luft in den Motorraum geblasen wird. Dann sammeln wir noch Holz (das wirklich nur sehr spärlich vorhanden ist), um später ein Feuer zu machen und die Glut unter den Kraftstofftank zu legen. Wir hoffen so, den Dieselkraftstoff noch etwas anwärmen zu können.

Während des Frühstücks läuft auf einmal ein ziemlich fertig aussehender Marokkaner um unser Auto herum und klopft an die Scheiben. Als ich hinaus gehe, fragt er mich nach Zigaretten, die wir natürlich nicht haben. Er geht dann wieder, aber Heike läuft noch hinter ihm her und gibt ihm ein Beutelchen Weihnachtskekse, worauf er sich so freut, daß er Heike auf die Wange küßt, was ihr überhaupt nicht recht ist.

Als wir etwas später das Feuer entzünden wollen, kommen wieder zwei Marokkaner, wohl Schäfer, die uns fachmännisch helfen, dieses anzünden. Ich breche aus Versehen den Stiel von meiner Schaufel ab und will diesen ins Feuer werfen. Der eine Marokkaner gibt mir zu verstehen, daß er den Stiel gern hätte, und so bekommt der den abgebrochenen Stiel geschenkt. Auch die beiden hätten gern Zigaretten gehabt, bekommen aber nur Schokolade. Sie freuen sich, und verschwinden wieder.

Wir packen unseren Bus. Gerade als wir los wollen, kommt der eine Marokkaner mit einer riesigen Schafherde vorbei, so daß wir noch etwas warten müssen. Vorher hatte Heike noch den Schäferhund mit alter Bundeswehrwurst satt gemacht. Wir fahren los, das Auto springt problemlos an. Unterwegs stellen wir fest, daß die Warmwasseraufbereitung den Frost nicht ganz schadlos überstanden hatte, alles Wasser ist aus dem Kanister entwichen, und irgendwo auf die marokkanische Straße gelaufen. Wir fahren erst durch den mittleren Atlas, dann überqueren wir den hohen Atlas.

Oase im Atlasgebirge Die Landschaft wird zusehends kärger. Auf der Südseite des hohen Atlas ist sie schon wüstenartig. De Flüsse führen alle kein, oder nur ganz wenig Wasser, obwohl die Flußbetten breit sind. Der Himmel ist wolkenlos, aber es ist nur mäßig warm. Man sieht deutlich die Grenze zwischen dem Grün an den Flußläufen und der sandigen Landschaft dahinter. Die Häuser stehen im sandigen Teil, damit der grüne Gürtel landwirtschaftlich genutzt werden kann. Wir wollen nach Merzouga fahren, die "einzigen Sanddünen Marokkos" ansehen. Uns wird bald klar, daß wir das heute nicht ganz schaffen würden, weil die letzten Kilometer Piste sind. Wir fahren so nur bis zum Campingplatz in Erfoud, wo wir erst im dunkeln ankommen. Wir wollen eigentlich zwei Nächte bleiben und am nächsten Tag einen Ausflug zu den Dünen machen. Wir zahlen gleich für zwei Nächte unverschämte 120 Dirham. Der Campingplatzwärter will uns unbedingt einen Führer für den nächsten Tag aufschwatzen, den wir aber nicht wollen. Die sanitären Anlagen sind saumäßig, Trotzdem nehmen wir dort noch eine warme Dusche.


10.1.1995 Sven berichtet:
Wir stehen spät auf, frühstücken gemütlich und gehen dann in den Souk einkaufen. Wir kaufen Zwiebeln, Orangen und ein Fladenbrot. Dann gehen wir, nach einem kurzen Stadtbummel, zurück zum Campingplatz. Dort räumen wir erst einmal den Bus auf, waschen ab, und ich repariere die Warmwasserzubereitung. Es hat sich glücklicherweise nur ein Schlauch gelöst. Wir füllen noch unsere Wasserkanister auf. Da die Sonne leicht(!) scheint, fangen die Klos fürchterlich zu stinken an. Zweimal fahren wir mit dem Bus ein Stück weiter von den Toiletten weg. Wie muß es hier erst im Sommer stinken...

Wir fahren los Richtung Sanddünen und haben nicht die Absicht, abends zu dem Campingplatz zurückzufahren. Wir wollen irgendwo bei den Sanddünen übernachten, was laut dem Darmstädter aus Mèknes problemlos möglich sein sollte. Nach einigem Umherirren in Erfoud finden wir dann auch die richtige Straße, die schon bald in Piste übergeht. Die Piste ist anfangs durch grünweiße Pfähle gut markiert, aber es gibt viele ausgefahrene Spuren. Auch sonst kann man fahren wo man will. Der Untergrund ist fast überall fest. Sandfelder gibt es so gut wie keine, und wenn es welche gibt, sind sie nur 2-3 m lang.

Wir kommen dann nachmittags an den Sanddünen an, und stellen unser Auto auf den Parkplatz vor dem Restaurant Yasemin. Dort stehen noch zwei weitere VW-Busse, einer direkt auf dem Parkplatz, der andere campt etwas weiter unten. Direkt vor den Dünen ist ein See. Wir steigen auf die Dünen hinauf, was doch anstrengender wird, als wir zunächst vermuteten.

Malerische Wüstenlandschaft Merzouga Wir steigen die Dünen hinauf

Zurück am Auto fahren wir erst runter zu dem See, ruhen uns noch etwas aus und gehen dann gegen 18 Uhr in das Restaurant Yasemin um zu Abend zu essen. Leider gibt es erst ab 20 Uhr warmes Essen. So trinken wir Tee, und unterhalten uns mit Saïd, einem jungen Marokkaner der etwas deutsch spricht. Um 20 Uhr gibt es Essen: Couscous, zum Nachtisch eine Orange.


11.1.1995 Sven berichtet:
Morgens schlafen wir erst einmal aus, wir wissen immer noch nicht, ob wir weiter nach Merzouga fahren, oder lieber einen faulen Tag einlegen. Wir stehen spät auf. Da es draußen recht warm ist, wollen wir auch draußen frühstücken. Wir stellen den Klapptisch nach draußen und bereiten das Frühstück vor. Da aber ziemlich viele Fliegen unterwegs sind, fliehen wir bald wieder ins Auto zurück. Nach dem Frühstück gammeln wir noch ein wenig herum. Ein Marokkaner kommt vorbei. Wir unterhalten uns mit ihm eine ganze Zeit. Die Fliegen werden etwas weniger, weil sie alle zu den Füßen des Marokkaners fliegen.

Frühstück in der Wüste Heike vor dem See und den Sanddünen

Wir entschließen uns ganz spontan doch noch los zu fahren und Richtung Westsahara aufzubrechen. Wir packen zusammen, starten und bleiben im Matsch stecken. Sofort eilen uns drei Marokkaner zur Hilfe. Mit Wagenheber, Schaufel und Brett befreien wir den VW- Bus recht schnell. Wir fahren noch bis tief in die Dunkelheit hinein. Wir wollen zu einem Campingplatz in der Nähe der Todra-Schlucht. Wir finden auch ein Schild, aber der angebliche Campingplatz ist ein dunkler leerer Hinterhof, niemand ist da. Nach kurzem Überlegen fahren wir dann noch weiter und finden nach ein paar Minuten Fahrt den richtigen im Reisebuch beschriebenen Platz, wunderschön zwischen Palmen gelegen. Der Besitzer ist sehr freundlich. Wir stellen uns direkt neben den Fluß, der am Campingplatz vorbeifließt.

Beim abendlichen Kochen merke ich, daß das Brett der oberen Gepäckhalterung im Hochdach bei der rumpeligen Pistenfahrt ca. 25 cm nach vorne gerutscht ist. Das Brett geht durch die schwere Beladung natürlich auch nicht so einfach wieder zurückzuschieben. Ich stoße mir diesen Abend mindestens noch fünf mal den Kopf!


Campingplatz in der Nähe der Todraschlucht12.1.1995 Heike berichtet:
Wir rasten also wunderschön am Rande der Todra-Schlucht, inmitten einer üppig mit Palmen bewachsenen Oase. Eine Wohltat nach den Erfahrungen auf dem Campingplatz in Erfoud. Es stellt sich immer mehr heraus, daß wir dort mit 120 DH für zwei Nächte und lauwarme Duschen über den Tisch gezogen worden sind. Hier sollen wir dagegen 60 DH insgesamt bei sehr sauberen und gepflegten Campinganlagen zahlen, warme Duschen eingeschlossen!!!

Die Todra-SchluchtEs ist bereits der zweite Donnerstag auf unserer Fahrt. Wir frühstücken ausgiebig und lang, so daß wir erst mittags fertig sind. Ursprünglich wollten wir bereits an diesem Tag früh aufstehen, und Richtung Agadir/Westsahara aufbrechen, haben dieses Vorhaben dann aber recht bald auf den nächsten Tag verschoben, frei nach dem Motto: "Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen". Sven macht sich nach dem Essen an den Abwasch und räumt unser zusammengewürfeltes und weggerutschtes Gepäck im Hochdach auf während ich - und dies muß ich zu meiner Schande gestehen - mein Buch schnappe und faul in der Sonne auf einem der herumstehenden Stühle sitze und lese. Zu meiner Entlastung bleibt zu erwähnen daß ich natürlich mehrmals gefragt habe, ob ich denn helfen solle. Der Mittag geht, der Nachmittag ist bereits fast vorbei, da sind wir nun doch schon soweit endlich aufzubrechen. Erst geht es nach Tenahir in die Stadt, ein paar Lebensmittel (Brot Butter, Milch) und eine Sonnenbrille einzukaufen. Außerdem wechseln wir noch etwas Geld.

Gleich anschließend fahren wir in der Dämmerung in die Todra-Schlucht, die, wie Nicole bereits erzählt hatte, recht gewaltig und daher sehr beeindruckend ist. Wir machen Fotos und filmen. Irgendwann ist die Straße, die mittlerweile zu einem kleinen Weg geworden ist, so beschwerlich, daß wir bei der nächsten Gelegenheit Halt und Kehrt machen. Wir fahren zum Campingplatz zurück und sind, wie könnte es anders sein, vom ganzen Tagesgeschehen natürlich "total geschafft."


13.1.1995 Sven berichtet:
Wir wollen ja eigentlich früh losfahren, nur noch schnell aufräumen, bezahlen, Wasser auffüllen und dann los. Es wird dann, trotz Verzicht auf das Frühstück, 11 Uhr. (Heike kämmt sich stundenlang...) Das über 500 km entfernte Ziel Agadir (wo wir natürlich nicht direkt hin, sondern nur vorbei wollen) ist wohl doch illusorisch.

Irgendwie kommt es mir nach einer Stunde Fahrt komisch vor, daß der Bus trotz ständiger Vollgasfahrt nur selten über 80 km/h kommt. Außerdem wirft er hinten ziemlich viel Ruß aus. Als er dann auf einmal auf 70 km/h zurückfällt, obwohl es nicht merklich bergauf geht, gerate ich doch etwas in Panik. Ich halte an, überprüfe den Gaszug und reinige den Luftfilter. Der Motor hört sich ansonsten ganz normal an und startet bereitwillig. Wir haben etwas Gegenwind und es geht auch ein wenig bergauf. Ich fahre die Straße ein Stück in die andere Richtung, da fährt der Bus etwas schneller. Heike redet auf mich beruhigend ein, und so fahren wir mit einem etwas mulmigen Gefühl weiter.

Gegen zwei Uhr machen wir Pause und backen in unserem tollen Ofen Fladenbrot mit Putenfleisch, Ananas und Käse auf. Danach setzt sich Heike ans Steuer. Der Bus fährt nun doch oft 90 km/h, trotz einfacher Straße, so bin ich einigermaßen, aber nicht völlig beruhigt. Sonst fährt er locker 110 km/h.

Die Straße ist sehr schmal, immer wenn ein Fahrzeug entgegen kommt muß ein Fahrzeug (das schwächere) auf den Sandstreifen an der Seite ausweichen. Die Straße windet sich durch die Berge. Heike fährt, und ich habe vor jeder Kurve Angst, obwohl wir dann doch noch überall heil herumkommen.

Fahrt während des SonneuntergangesKurz später, die Sonne geht gerade unter, fahre ich wieder. Der Bus will doch noch nicht so richtig ziehen, fährt nur 70-80 km/h und qualmt ziemlich doll. Auch wenn es leicht bergab geht, kommt er nicht über 90 km/h. Auf einmal geht die Straße ganz steil bergab und der Asphalt hört auf. Nun kann ich sowieso nur noch 20-30 km/h fahren. Als wir unten sind, kaufen wir noch in einer Ortschaft Brot und fahren wieder weiter. Die Straße wird breit und gut, der Bus fährt auf einmal wieder zuverlässig seine gewohnten 110 km/h. Ich denke, das Qualmen und die schlechte Leistung resultierten daraus, daß wir ständig in einer Höhe über 1000 m, teilweise 1500-1600 m, gefahren sind.

In der Dunkelheit sind plötzlich wieder viele Bäume zu erkennen. Wir haben nach Westen den nordost/südwestlich verlaufenden Gebirgszug des Atlasgebirges überquert und so die Wüste vorerst wieder verlassen. Wir suchen uns einen Stellplatz an einem Feldweg und übernachten.


Noch 2500 Kilometer bis Dakar14.1.1995 Sven berichtet:
Morgens fährt Heike. Die Straße ist gut ausgebaut. Plötzlich ist an einem Straßenschild Dakar angezeigt. Mein Gott, wir sind doch schon weit weg von zuhause! Kurz nach Agadir jage ich Heike wieder mit dem VW-Bus durch die enge Medina einer Stadt. Ich kaufe Äpfel und Orangen. Wir tauschen die Plätze, ich fahre weiter nach Tiznit. Wir wollen dort telefonieren, unser Auto wird gleich von fürchterlich aufdringlichen Jugendlichen belagert. Die Telefone funktionieren natürlich alle nicht, wir sehen zu, daß wir weiterkommen. In der nächsten größeren Stadt (Guelmim) schaffe ich es tatsächlich ein Gespräch aufzubauen, es bricht aber nach wenigen Sekunden ab, und nun schluckt das Telefon zwar noch Geld, rührt sich sonst aber nicht mehr.

Heike sagt, ca. 8 km von hier solle es einen sehr guten, von einem französischen Ehepaar geführten Campingplatz geben. Eigentlich wollten wir ja noch bis Tan-Tan fahren, aber diesen Platz können wir uns ja mal ansehen. Naja, auf einmal stellt Heike fest, daß es doch noch 38 km sind. Noch etwas später merkt sie, daß 20 km davon Piste sind. Wir beratschlagen, und fahren dann weiter dorthin, obwohl es mittlerweile stockfinster ist. Die Piste ist am Anfang fest und steinig, teilweise Wellblech. Später zweigt dann die halbe Piste woanders hin ab. Unsere Abzweigung ist schmal, teilt sich oft und führt wieder zusammen. Man muß den besten Weg raten. Einmal setzt der Auspuff leicht auf. Mehrmals muß ich aussteigen, und zu Fuß den optimalen Weg erkundigen. Irgendwie kommen wir auch durch die kurzen Sandpassagen. Plötzlich kommt eine Steintafel, die uns auf französisch darauf aufmerksam macht, daß uns in ca. 3 km das Paradies auf Erden erwartet: Bravo le plus dur est fait encore 3 km pour attendre um un paradis nomme fort bBou Jerif. Guy & evy vous attendent. Wir schaffen die letzten drei Kilometer auch noch und der Campingplatz (beleuchtete fortähnliche Gebäude) sieht in der Dunkelheit ziemlich beeindruckend aus. Der Besitzer kommt sogleich heraus und zeigt uns einen Stellplatz. Wir parken unser Auto an der angewiesenen Stelle und gehen ins "Wüstenrestaurant". Dort ist gedämpftes Licht, es spielt klassische Musik, viele Pflanzen stehen hier, ein Vogelkäfig mit Wellensittich. All dies wirkt hier mitten in der Wüste nach der beschwerlichen Fahrt ziemlich unwirklich.


Heike berichtet:
Im Restaurant werden wir herzlich begrüßt und bestellen zweimal brochettes (Fleischspieße mit Salat und Brot) und hinterher Tee. Es schmeckt sehr gut und war (wie sich erst bei unserer Abfahrt herausstellt) nicht sehr teuer.


Fort Bou Djerif15.1.1995 Heike berichtet:
Morgens stehen wir erst spät auf, natürlich erst nachdem wir noch ein wenig gelesen haben. Wir wollen mal wirklich gemütlich frühstücken, was bedeutet, daß wir zunächst unseren neuen Campingtisch vor dem Bus aufbauen. Wir holen die nötigen Sachen aus dem Kühlschrank, die Marmelade aus der Frühstücksbox und backen unser marokkanisches Fladenbrot vom Vortag auf.

Daß die Idee draußen zu frühstücken wohl doch nicht ganz so gut ist, zeigt sich recht bald: Fliegen schwirren wild um unsere Brote und Köpfe und freuen sich über die leckeren Sachen. Wir machen noch ein paar Fotos und sind bald mit unserem "gemütlichen Frühstück" fertig. Zwischendurch kommen noch ein paar Frauen, rütteln an unseren verschlossenen VW-Bus Türen und verschwinden erst wieder, nachdem sie von Sven ein Paket Aprikosensaft bekommen haben. Nach einer kleinen Lesestunde machen wir uns nachmittags auf den Weg zum etwa zwei Kilometer entfernten Fort Bou Djerif, ein von den Franzosen in den 30er Jahren erbautes Fort. Auf dem Weg dorthin tollen uns die ganze Zeit zwei Katzen hinterher. Kurz bevor wir den Weg zum Fort hochgehen wollen, sind die Kätzchen auf einmal nicht mehr zu sehen und nicht mehr zu hören. So denken wir, daß sie den Weg wohl allein zurückgegangen sind.

Wir steigen in den alten Gemäuern ein wenig herum, machen ein paar Fotos, und gehen dann noch zu einer kleinen Oase (ohne Häuser) herunter. Ein kleines Bächlein verläuft dort und ist teilweise aufgestaut. In dem stehenden Wasser sieht man ganz viele Mückenlarven. In Anbetracht der schwarzen schwimmenden Masse kann man sich ausmalen, daß es hier im Sommer von Moskitos nur so wimmelt. Wir gehen noch am ehemaligen Brunnen vorbei, der tief unten sogar noch Wasser hat. Dann gehen wir wieder zurück Richtung Campingplatz. Die Sonne geht schon langsam unter, und so wird es auch Zeit. Ungefähr an der Stelle, wo wir die Katzen aus den Augen verloren hatten hört Sven auf einmal ein Miauen. Wir schauen uns um und sehen auf den am Weg gelegenen Hügel kleine weiße Punkte, die sich bewegen. Nachdem wir gerufen haben, kommen die beiden weißen Punkte auf uns zu getollt. Den Weg nach Hause hatten die beiden Kätzchen nun also doch nicht alleine gekannt und wir können bei dieser Gelegenheit zum erstenmal Katzengalopp bewundern.

Wir kommen im Camp an und es ist schon fast dunkel. Wir beschließen nicht noch einmal im Restaurant zu essen, sondern im Auto. Es gibt feurigen Texaseintopf. Nachdem ich die Haare gewaschen und geduscht habe, gehen wir bald ins Bett.


16.1.1995 Heike berichtet:
Heute wollen wir einigermaßen früh loskommen. Unser Ziel ist Tan-Tan, bzw. Laayoune, und das ist 300-400 km entfernt. Außerdem müssen wir die Piste zurückfahren und möglichst in Guelmim, dem nächsten Ort, zur Bank und einkaufen. In Guelmim haben die Banken gerade zu gemacht. In Tan-Tan angekommen haben die Banken immer noch ca. eineinhalb Stunden Mittagspause und so müssen wir ein wenig warten. Sven nutzt die Gelegenheit um zu Hause anzurufen. Dann kaufen wir noch ein paar Lebensmittel ein. Wir fahren an den Stadtrand, warten dort bis 15:00 Uhr und fahren wieder zur Bank, wo ich zwei Travellerschecks à 100.- DM einlöse. Sven tankt den Wagen voll. So sind wir nun bestens versorgt für unseren Trip in die Westsahara.

Da wir erst kurz nach 15:00 Uhr aus Tan-Tan loskommen, können wir unser eigentliches Ziel Laayoune nicht mehr erreichen und rasten ca. 100 km vorher, mitten in der Wüste. Die Möglichkeiten am Atlantik zu übernachten, hatten wir vorher bereits verpaßt und so für den Rückweg vorgenommen. Abends gibt es Käsnudeln, es sind reichlich viele geworden.


17.1.1995 Heike berichtet:
Wir frühstücken warm, nämlich Käsnudeln und machen uns dann so um 11:30 Uhr auf nach Laayoune. Am frühen Nachmittag kommen wir dort dann auch an. Wir decken uns dort noch mit Wasser, Brot (Baguette-Brot), Milch und zwei Dosen Coca-Cola ein und sind erst einmal versorgt.

Kamel Auf dem Weg nach Laayoune sind teilweise an der Straße ganz viele Kamele. Ich kann es mir nicht nehmen lassen, diese niedlichen Viecher zu fotografieren. Da wir noch ein altes Brot haben, liegt es nahe, eines der knuffeligen Tierchen zu füttern. Erst habe ich ein wenig Angst, weil es so groß ist, wenn man vor ihm steht, aber zum Schluß frißt es mir sogar aus der Hand. Die Brotstücke werden natürlich dementsprechend größer. Sven macht so gut es geht Fotos, er hat natürlich auch ein wenig Angst. (Stimmt nicht! Anmerkung Sven.) Autos und Lastwagen fahren vorbei und hupen uns zu. Ja ja, wieder so ein paar Touristen. So oder so ähnlich sind wohl ihre Gedanken.

Ca. 110 km hinter Laayoune halten wir an, um unser Nachtlager aufzuschlagen. Es ist mit Blick auf den Atlantik - immerhin. Es sind dann aber doch noch 1-2 km bis zum Meer. Dies merken wir bald auf unserem Weg dorthin, und wir stellen dort angekommen auch fest, daß es gar nicht möglich ist, direkt ans Wasser zu kommen. Hier ist ein Steilufer, das von der Straße aus nicht zu sehen ist. Schade!

Abends gibt es Reisauflauf, d.h. Reis mit Mais, Erbsen, Rührei, Zwiebeln mit Käse überbacken. Es schmeckt sehr gut, und für den nächsten Morgen bleibt auch noch etwas übrig.


18.1.1995 Sven berichtet:
Heute fahren wir ohne Frühstück los, da wir uns am Vorabend die Bäuche so vollgehauen hatten. Leider geht es jetzt wieder zurück Richtung Norden, da im Süden auch nichts besonderes mehr zu erwarten ist. Somit ist nun geographisch der Wendepunkt erreicht, und auch von der Zeit ist gerade die Hälfte herum.

Wir frühstücken dann etwas später auf einem Abschnitt der "alten Straße" etwas Müsli. Mehr Hunger haben wir noch nicht. Wir fahren wieder durch Laayoune und werden wieder an drei Polizeikontrollen angehalten, wobei wir an der ersten Kontrolle die Pässe vorzeigen. Außerdem müssen wir sämtliche persönlichen Daten angeben, wie z.B. die Vornamen der Eltern. Weiter geht es Richtung Tarfaya, ein höchst langweiliger Ort, der sich für uns aber dadurch auszeichnet, daß es bis hier zollfreien Sprit gibt. In der besetzten Westsahara und angrenzende Gebiete ist der Kraftstoff zollfrei und somit sehr billig. Wir kommen in einem höchst ungünstigen Moment an der Tankstelle an, es ist gerade Zeit zum Gebet. Ein Mercedesfahrer hat auch angehalten, seinen Teppich ausgebreitet und verneigt sich gen Mekka. Naja, wir fahren noch einmal um die Tankstelle herum und dann kommt der Tankwart auch schon und betankt uns.

Ein kurzes Stück weiter halten wir wieder an, denn hier ist keine Steilküste, sondern richtiger Strand. Dort gehen wir ein wenig spazieren und treffen einen Berliner Rentner, der sich im Angeln versucht.

Wir wollen noch ca. 100 km weiter fahren wollen, um dort zu campen, wo ein Oued ins Meer fließt. Alle zig Jahre soll es tatsächlich so viel regnen, daß der Oued auf seinem Weg vom Atlas-Gebirge nicht vorher austrocknet. Wir müssen uns sputen, es wird bald dunkel. Wir finden eine Stelle die wir auf dem Hinweg schon gesehen haben, obwohl es dann doch schon dunkel ist. Dort stehen auch einige andere Wohnmobile mit deutschen und franzö- sischen Kennzeichen. Wir campen etwas abseits und braten Reisauflaufreste auf.


19.1.1995 Sven berichtet:
Ich beginne den Tag faul und lese in meinem Buch. Heike geht schon spazieren. Nach einer Stunde beginne ich mir Sorgen zu machen, und mache mich auf die Suche nach Ihr. Ich gehe natürlich in die falsche Richtung und sehe sie dann nach ca. 20 Minuten am VW- Bus, wobei ich inzwischen auf der anderen Seite des Oueds bin, und ca. 15 Minuten vom Bus entfernt.

Naja, ich lese den ganzen Tag noch sehr viel, doch nachmittags klettere ich noch mit Heike die Steilklippen hinunter ins Oued Tal, um die Flamingos dort zu fotografieren. Die Tiere zeigen sich jedoch ziemlich scheu, aber ein paar Fotos machen wir doch. Danach gehen wir wieder auf die Steilklippen an eine Stelle, wo die Wellen immer tosend gegen die Felsen knallen. Abends backt Heike Pfannkuchen.


Der Kamelbogen von Tan-Tan20.1.1995 Sven berichtet:
Morgens gibt es wieder Pfannkuchen, da noch etwas Teig vom Vorabend übrig ist. Dann fahren wir zügig los, da wir möglichst in zwei Tagen zu den Ouzoud-Wasserfällen kommen wollen. Vor Tan-Tan sind wieder zwei Polizeikontrollen; die erste Kontrolle will wieder sämtliche Daten von uns wissen. In Tan-Tan kaufen wir noch ein (Eier, Brot...) Als wir den Kamelbogen von Tan-Tan passieren, hält Heike, die zur Zeit am Steuer sitzt, an. Ich steige aus und laufe etwas zurück, um das Foto zumachen. Zwei Lastwagen donnern an uns vorbei. Heike ruft aufeinmal: "Sven, die Scheibe ist kaputt!".

Ja, und so ist es, die Frontscheibe ist in tausend Stücke zersprungen.

Die Windschutzscheibe ist hin ;-( ...und die neue Scheibe wird eingebaut Wir nehmen unseren Klapptisch, drehen ihn um und schlagen von außen mit einer Flasche die Scherben, die noch alle zusammenhalten, so, daß sie möglichst auf die Unterseite des Tisches fallen. Es fällt aber viel daneben. Ein Marokkaner kommt, sieht sich die Scheibe an, setzt sich dann an den Straßenrand und schaut uns zu. Er will offensichtlich von uns mitgenommen werden, wenn wir fertig sind. Das wollen wir aber nicht. Irgendwann wird ihm unsere gründliche und langwierige Arbeit (herausschlagen der Scheibe, fegen, säubern reinigen usw.) zu langweilig, er steht auf und fährt dann irgendwann bei jemandem anderen mit. Wir haben nach knapp zwei Stunden endlich die Ersatzscheibe befestigt und zwar ordentlich und gründlich, so daß es notfalls bis Deutschland hält! Die Plastikfolie ist allerdings nicht besonders durchsichtig, wie wir während der Fahrt merken. Allerdings ist sie stabil und gut zu handhaben. Wir können ganz normal 90-100 km/h fahren, nur wenn ein großes Auto entgegen kommt flattert die Folie manchmal ziemlich stark. In den Städten ist die schlechte Sicht ziemlich lästig.

Wir fahren nach Agadir, wo es eine Vertretung des ADAC geben soll, kommen aber erst in der Dunkelheit an. Es ist zwar alles etwas schlechter zu erkennen durch diese komische Folienscheibe, aber wir erreichen den Campingplatz. Agadir ist eine fürchterliche Stadt, schrecklich touristisch. Auf den Straßen sind fast nur Europäer zu sehen. Die Marokkaner die uns begegnen, sind irgendwie alle doof und arrogant, keiner will Heike Geld zum telefonieren wechseln. Wir finden glücklicherweise eine Teleboutique. Dort wechselt man Geld, und Heike kann telefonieren.

Der Campingplatz ist von deutschen Rentnern mit Wohnmobilen belegt. Für Nicht-Dauercamper wie uns bleiben nur die Plätze direkt an der Mauer neben der Hauptstraße. Die Dusche, auf die wir uns gefreut hatten, gab es nur bis 18 Uhr. Glücklicherweise haben wir unsere eigene Dusche dabei, die wir dann auch benutzen, was aber wie immer ein ziemlicher Umstand ist.

Vorher, als wir unseren Wagen neben zwei Zelten an einer Stelle abstellen wollten, die nicht ganz so dichte neben der Mauer ist, kommt aus dem einen Zelt ein struwweliger Engländer und blafft uns an, daß wir hier nicht stehen dürfen weil er das nicht will. Wir kümmern uns aber nicht weiter um ihn. Die kaputte Scheibe tarnen wir noch mit Wolldecken.


21.1.1995 Sven berichtet:
Es ist Samstag. Morgens gehen wir wieder zur Teleboutique und rufen Frau Graetz vom ADAC an. Wir schildern ihr unser Pech. Sie beschreibt uns den Weg zu ihrem Büro und wir fahren dort hin. Es ist knapp 2 km vom Campingplatz entfernt. Wir finden es auch gleich nach ihrer Beschreibung. Frau Graetz nimmt die Fahrzeugdaten auf. Sie sagt uns, wir sollen gleich mit unserem Wagen ihrem marokkanischen Kollegen folgen, er fährt zu einer Werkstatt, die die Scheibe evtl. vorrätig haben könnte. Wenn nicht, sollten wir am Montag noch einmal vorbeikommen, dann bestellt sie die Scheibe in Deutschland.

Wir fahren also mit unserer trüben Folienscheibe durch den Stadtverkehr von Agadir, was nicht immer ganz leicht ist. Natürlich hat die Werkstatt die Scheibe nicht, was mich auch nicht wundert, da wir auf unserer ganzen Reise keinen einzigen in Marokko zugelassenen VW-Bus unserer Bauart gesehen hatten. Wir fahren dann noch gemeinsam zu einem anderen Betrieb, der die Scheibe auch nicht hat. Der Marokkaner sagt uns, er müsse noch zum Flugplatz, danach wollen wir noch mal auf den Schrottplatz suchen. Wir fahren also zum Flughafen. Auf dem Weg dorthin rammt uns noch ein Krankenwagen, sagt aber durchs Fenster, daß alles ok ist, und fährt gleich weiter. Er war auch sowieso schon ziemlich zerbeult. Am Flughafen finde ich auch keinen Kratzer an unserer vorderen Stoßstange, nur das Nummernschild ist etwas verbogen, aber das war es wahrscheinlich auch schon vorher.

Wir fahren nun zum Schrottplatz. Dort gibt es auch keinen Scheibe. Heike sieht noch im Vorbeifahren zwei lange Sandbleche.

Wir fahren wieder zurück zum Campingplatz und tarnen unsere kaputte Scheibe mit Wolldecken. Dann gehen wir Essen. Wir landen in dem Touristenrestaurant, das uns am Vorabend mit seiner lauten Tam-Tam-Musik besonders unangenehm aufgefallen ist. Ich bemerke das aber erst, als wir schon fast fertig mit dem Essen sind. Heike macht sich noch tagelang lustig über mich, weil ich auf einmal so gerne in dieses Restaurant gehen wollte. Auf dem Rückweg kaufen wir eine WELT vom Vortag und tun dann nichts mehr.


22.1.1995 Sven berichtet:
Heute stehen wir spät auf, nach dem Frühstück schlafe ich gleich wieder ein. Nachmittags gehen wir zum Souk am anderen Ende der Stadt. Dort kaufen wir Eier, Apfelsinen und frische Erdbeeren, sowie einen Entsafter für die Apfelsinen. Das Kilo Erdbeeren hat ca. zwei DM gekostet, und sie waren sehr gut. Zurück vom Markt zum Campingplatz fahren wir mit einem Taxi. Abends gehen wir in eine Pizzeria und essen Pizza.


23.1.1995 Sven berichtet:
Morgens gehen wir zuerst zur ADAC-Niederlassung um unsere Scheibe zu bestellen. Auf dem Rückweg gehen wir noch an einem kleinen "Libre service" (Selbstbedienungsladen) vorbei und kaufen Milch, sowie echten arabischen Danone-Joghurt. In einer Patisserie kaufen wir uns schöne französischer Croissants, das Frühstück ist gesichert! Tagsüber gehen wir am Strand spazieren.

Abends gehen wir ins Phi-Long essen, ein Vietnamese oder so ähnlich. Die Portionen sind etwas mager, also holen wir uns hinterher noch eine Pizza, die wir dann im VW-Bus essen.


24.1. - 27.1.1995 Sven berichtet:
Wir tun nichts besonderes, gammeln viel herum, lesen WELT, Focus und Spiegel, die hier in Agadir leicht zu bekommen sind, gehen abends essen und sind frustriert, daß wir hier nicht wegkommen.


28.1.1995 Heike berichtet:
Puh!!! Heute ist der Tag der Entscheidung. Wir haben den Wecker auf 7:45 gestellt um früh aufzustehen, den Wagen aufzuräumen und um ca. 9 Uhr bei Frau Graetz in der ADAC-Niederlassung zu sein Wir hatten mit Frau Graetz zwar nicht ausdrückliche einen Termin vereinbart, waren aber so verblieben, daß wir heute die Scheibe bekommen könnten. In der Nacht von Freitag auf Samstag sollte die lang ersehnte Scheibe nun endlich in Agadir Airport ankommen und unserem Zwangsaufenthalt ein Ende setzen! Es ist also nun 9 Uhr und wir klingeln bei Frau Graetz - keine Reaktion! Nun stehen wir also vor verschlossener Tür.


Sven berichtet:
Als wir gerade überlegen, was zu tun wäre, kommt auf einmal der Typ, der vor einer Woche mit dem Auto vor uns her kutschiert ist, als wir nach einer Werkstatt mit Scheibe gesucht haben. Er meint, daß Frau Graetz bald kommen müßte. Das sagt er noch ein paar mal, dann verschwindet er wieder. Wir warten und warten, und wir werden immer ärgerlicher. War sie nicht vor ein paar Tagen schon so komisch am Telefon? Wahrscheinlich sitzt sie beim Frisör. Naja, wir beschließen trotzdem zu warten.

Auf einmal (so gegen 10 Uhr) taucht ein Kleintransporter mit einer riesigen Kiste hinten drauf auf, aus dem Frau Graetz aussteigt. Sie ist schon um 8 Uhr los, und hat unsere Scheibe vom Flughafen abgeholt. Sie fährt noch mal kurz weg zu einem Karosseriebetrieb, ca. 300 m von hier entfernt und fragt, ob er die Scheibe einbauen könne. Er kann. Wir fahren gleich hin. Wir haben jetzt sogar eine modernere Scheibe, die nicht in tausend Stücke springt, sondern nur einen Riß bekommt wenn ihr Gewalt angetan wird. Toll! So etwas hätten wir schon vorher gebrauchen können.

Vor dem Einbau habe ich noch etwas Angst, da ich weiß, daß diese Scheiben empfindlicher gegen Verspannungen sind und somit nicht ganz so leicht zu montieren, aber sie wurde relativ professionell und routiniert eingebaut. Nur in den unteren Ecken will die Dichtung nicht so richtig, dort wird mit Silikon nachgepfuscht.

Wir bezahlen und fahren wieder zu Frau Graetz, die noch unsere Bescheinigung zur temporären Einfuhr des Fahrzeugs hat. Darauf ist die zollfreie Einfuhr der neuen Scheibe und des Dichtungsgummis (das überflüssigerweise mitgeschickt wurde) vermerkt worden. Als wir den Zettel abholen, erinnert sie uns daran, das alte Gummi für den Zoll wieder mitzunehmen. Wir fahren also wieder in die Werkstatt und holen die Dichtung.


Heike berichtet:
Na endlich geschafft! Sollte es wahr sein und eine Woche Aufenthalt in Agadir ein Ende nehmen? Aber noch ist es nicht so weit. Wir müssen noch: den Campingplatz bezahlen (Es gelingt uns zwei Nächte zu unterschlagen = 100 DH was wir gerne tun weil wir so unzufrieden waren) (Was aber auch nichts nützt, da der ADAC die Kosten sowieso erstattet...) Dann wollen wir noch Geld umtauschen und Käse, Schinken, Croissants und Erdbeeren kaufen. So fahren wir auf der Suche nach einer Wechselstube noch mal durch das Zentrum von

Agadir, die Banken hatten Samstag mittags natürlich geschlossen. Die ersten beiden Versuche scheitern und wir stellen uns schon darauf ein, noch bis zur Öffnung der Wechselstuben in Agadir verweilen zu müssen.

In einem noblen Hotel am Stadtrand probiere ich meinen Travellerscheck einzulösen. Ich frage den Mann an der Rezeption, der darauf hinweist, daß die Banken leider noch bis 16 Uhr geschlossen seien. Es tut ihm leid, aber er kann erst dann tauschen. Ich schleiche wieder hinaus und bin ein wenig frustriert. Kaum daß ich wieder im VW-Bus sitze und Sven davon erzähle, stoppt neben uns ein edles Auto mit marokkanischem Kennzeichen und zwei Marokkaner der reicheren Gesellschaftsschicht steigen aus. Der eine schaut mehr oder weniger interessiert zu uns hinüber. Dann kommt er plötzlich mit seinem Aktenkoffer in der Hand zu uns herüber. Er lächelt und fragt (auf deutsch) ob wir aus Deutschland kommen. Wir sagten "Ja". Der nun folgende small-talk läßt ihn wissen, daß wir Probleme haben Geld zu tauschen, auch im Hotel hat es nicht geklappt. "Hmm" meint er, "Travellerschecks sind schlecht, aber Bargeld geht". Ich habe noch deutsches Bargeld und sage ihm dies. "Tja, dann kommen Sie mal mit, das dürfte kein Problem sein", und - schwupp - war ich wieder im Hotel, diesmal jedoch mit einflußreicher Unterstützung an meiner Seite, wie ich sogleich beim Eintreffen in der Hotelhalle merke. Meine Begleitung erregt Aufmerksamkeit und wird vom Hotelpersonal hofiert. Ich stehe vor dem mir bereits bekannten Mann, der mich verdutzt anguckt. Er bekommt sogleich die Anweisung mir 100.- DM zu tauschen und man sollte es nicht glauben - diesmal klappt es. Ich bekomme ohne Provision und ohne irgendwelche Gebühren zu zahlen mein Geld. Vitamin B zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zahlt sich doch immer aus, auch in Marokko. Ich danke dem netten Marokkaner, der mich noch auf bestimmte Bedingungen und Probleme an der Grenze aufmerksam macht und gehe zurück zum Auto. Das war eine Heldentat! Marokkaner sind doch noch richtige "Kavaliere".

Nun fahren wir los. Ziel: Möglichst schnell nach Ceuta zu kommen. Ca. 1000 km sind bis an die spanische Grenze zu bewältigen. Wir wollen in spätestens zwei Tagen im europäischen Spanien sein. Wir fahren den ganzen Tag, frühstücken wie bereits gewohnt, im Auto während der Fahrt. Wir halten nur einmal kurz an und schaffen es so bis hinter Rabat. Ein gewaltiges Stückchen! Auch die einzige Autobahn Marokkos probieren wir aus. 23 DH für eine Richtung. Also ca. 4.- DM für die 90 km Autobahn Casablanca - Rabat. Das ist nicht teuer, aber für marokkanische Verhältnisse auch nicht besonders billig.

Total erschossen machen wir ca. um 23 Uhr auf einem Acker nahe der Hauptstraße Halt und gehen ins Bett.


29.1.1995 Heike berichtet:
Der Wecker klingelt um 7:45 Uhr. Wir bleiben noch eine Weile liegen und kommen erst kurz vor 9 hoch. Schafe blöken um uns herum, Stimmen von Schafshirten und Leuten die an der Straße stehen, und die darauf warten von Autos mitgenommen zu werden, gesellen sich dazu.

Wir wollen noch vorm Start abwaschen, frühstücken wollen wir später, während der Fahrt, um Zeit zu sparen. Wir haben uns vorgenommen, mittags an der Fähre zu sein, wie uns der nette marokkanische Geschäftsmann aus Agadir geraten hatte, um möglichst noch am hellichten Tage überzusetzen. Vorsicht vor Drogendealern, die ihr Zeug gern an oder in Touristenautos durch den Zoll schleusen, ist geboten.

Es ist ca. 14:20 Uhr, als wir an der marokkanisch-spanischen Grenze ankommen. Nicht übers Ohr hauen lassen, selbstbewußt und möglichst zügig über die Grenze zu kommen haben wir uns vorgenommen. Es ist nicht voll, aber wir haben prompt wieder eine "nette marokkanische Hilfskraft" unaufgefordert an unserem Auto hängen. Das Ausreiseformular lassen wir uns zustecken, mehr jedoch nicht. Zielstrebig holen wir uns die nötigen weiteren Formulare, Stempel und Informationen bei den Zöllnern. Nachdem wir durch Vorzeigen der Reparaturrechnung für die Windschutzscheibe auch die letzte Hürde genommen haben sind wir in Spanien bzw. in Ceuta. 15 Minuten hat die Abfertigung an der Grenze gedauert und wir haben kein Schmiergeld gezahlt!!

So, nun heißt es möglichst schnell Geld umzutauschen, Fährkarten zu kaufen und einzuchecken, das Schiff geht um 16:30 Uhr, wir haben bereits 15 Uhr. Die Banken - es ist ja Sonntag - haben geschlossen. Wir fahren also direkt zum Hafen auf das uns bereits bekannte Gelände. Ein netter Mann, den wir fragen, bietet uns seine Hilfe an, er zeigt uns wo wir Geld tauschen und Tickets kaufen können. Dies geht dann auch recht schnell und problemlos. Auch Geld will er nicht haben. Drogen waren auch nicht an unserem Auto befestigt worden. Es gibt eben auch einfach hilfsbereite Menschen.

Mit den Tickets bewaffnet reihen wir uns also um ca. 15:20 Uhr in die Warteschlange für die Fähre ein wo wir noch einmal vom spanischen Zoll kontrolliert werden sollen. Wir warten und bereiten derzeit unsere heißersehnten marokkanischen Erdbeeren vor. Es geht recht zügig voran. Bald schon sind wir an der Reihe. Ungefähr drei bis vier Zöllner, davon einer mit Spürhund sind dabei die "Verdächtigen" zu kontrollieren. Ich fahre vor, Reisepässe und Tickets in der Hand - und werde rausgewunken. Die Pässe werden nicht beachtet. Aussteigen sollen wir - und tun dies. Der Mann mit dem Hund geht ums Auto herum - Kofferraum öffnen. Sven öffnet den Kofferraum und schon wird der Köter, aufgestachelt durch Zurufe seines Halters, auf unsere Sachen losgelassen. Nachdem er das Bettlaken angesabbert hat und mit seinen Krallen den Autolack zerkratzt hat soll die Beifahrertür und die Schiebetür an der Seite aufgemacht werden. Wir machen dies. Unser Zeug schleppen wir von der einen Seite zur anderen, er herrscht das totale Chaos. irgendwo mittendrin sind unsere angezuckerten Erdbeeren, die wir natürlich noch nicht essen konnten. Ein anderer Zigaretten rauchender Zöllner kommt seinem Kollegen zu Hilfe. Es wird ernster! Im Auto klopft er mit seinem Schraubenzieher alle möglichen Wände und vermuteten Hohlräume ab, wobei ihm die Tatsache, daß ein VW-Bus letzteres wohl in größerer Anzahl besitzt, so fasziniert, uns nicht ohne weiter intensive Kontrollen durchfahren zu lassen. Jetzt geht die Arbeit richtig los! Barsch und unfreundlich wie die ganze Zeit über schon, werden wir, ohne daß ein Wort verloren wird, angewiesen, in einen kleinen Seitenraum zu fahren. Mit Hochdach passen wir gerade hinein als ich dies vorsichtshalber noch überprüfen will, werde ich schroff zur Seite gedrängt. So unfreundlich waren wir bisher während unser ganzen Fahrt in Marokko nicht behandelt worden. Dazu muß man erst wieder nach Europa ins EG-Land Spanien einreisen.!


Sven berichtet:
Nun wird rabiat unten am Auto rumgeklopft und überall rumgewackelt, so daß ich schon Angst um unsere mühsam reparierten Kühlwasserschläuche bekomme. Ein Zöllner (oder Hiwi) bekommt den einen Schrank im Bus nicht auf, das darf dann doch ich machen. Naja, irgendwann bedeutet uns einer der Typen, daß wir fertig sind. Wir dürfen nun dann ganze Durcheinander wieder zusammenpacken. Unsere Fähre ist seit einer knappen Stunde weg. Wir haben natürlich keine Ahnung, wo wir jetzt warten sollen, aus den Zöllnern die uns aufgehalten haben, ist außer Händefuchteln nichts herauszubekommen.

Wir warten jetzt einfach auf dem Anleger und kochen Nudeln mit Rührei. Danach waschen wir ab, und lassen die ganze Brühe (aus Rache!!!) einfach unters Auto ins Hafengelände pladdern. Wir haben noch etwas Zeit und schauen uns die vielen Autos an, die vorm Zoll stehen. Wir sehen aufgeschlitzte Kotflügel und Schweller, auseinandergenommene Motoren die im Kofferraum liegen, ausgebaute und aufgeschlitzte Tanks; und das teilweise bei recht neuen Autos. Vor so etwas sind wir zum Glück verschont geblieben.

Irgendwann kommt dann auch unsere Fähre, bevor wir hinauffahren, will wieder ein anderer Zöllner unsere Pässe sehen. Nun können wir endlich auf das Schiff. Auf der europäischen Seite kommt der dritte spanische Zoll. Hier geht es (für uns zumindest) recht schnell. Wir wollen, obwohl es schon dunkel ist, noch ein gutes Stück fahren. In Malaga verfahren wir uns, weil ich einmal das Abbiegen verpennt habe. Nun fährt Heike lieber.

Es geht jetzt hoch in die Sierran Nevada. Als wir, um 20-30 km zu sparen eine Landstraße nehmen, stellt sich dies doch als Fehler heraus. Wir müssen wegen einer Umleitung ca. 15 km eine klitzekleine Holperstraße über die Dörfer nehmen. Wir kommen wieder auf die Autobahn. Es geht bergauf und bergab, so daß Heike öfters mal in den dritten Gang zurückschalten muß. Es kracht fürchterlich, wenn sie dies tut. Wir tauschen noch einmal, aber auch bei mir kracht es. Naja, ich mache mir noch keine ernsten Sorgen, schließlich haken und rumpeln ja alle VW-Getriebe manchmal. Wir fahren kurz vor Granada hinter eine Tankstelle auf einen Parkplatz oder so etwas ähnliches und übernachten dort.


30.1.1995 Sven berichtet:
Ich kontrolliere morgens noch das Getriebe auf Ölspuren - nichts! Merkwürdigerweise sind hinten am Heck ein paar Ölflecken, aber ich denke, die kommen wohl nicht von unserem Auto, sondern irgendwo von der Straße oder so. Wir fahren morgens los, das Getriebe kracht immer noch. Scheint also doch ein echter Defekt zu sein. Mit der Zeit bekomme ich raus, daß, wenn man bei sehr niedriger Motordrehzahl schaltet, das Krachen etwas leiser ist. Naja, wir fahren ja fast nur Autobahn und müssen nicht so oft schalten. Trotz diesen Defekts wollen wir noch in die französischen Alpen und Heikes Freundin Nicole besuchen, die dort mit ihrer "Au-Pair-Familie" im Urlaub ist.

Heute kommen wir noch bis in die Pyrenäen und übernachten genau an dem Platz, wo wir am Hinweg auch schon übernachtet haben. Wir duschen noch im Auto und gehen dann schlafen.


31.1.1995 Sven berichtet:
Morgens gehen wir noch für unsere letzten Peseten einkaufen und fahren direkt am Zoll wieder auf die Autobahn. Da wollen die von uns doch noch 40 Peseten (ca. 60 Pfennig) Autobahngebühr, die wir nicht mehr haben. Umkehren geht angeblich auch nicht, aber mein amerikanische Eindollarnote nimmt der Typ.

Die französiche Grenze ist problemlos. Wir kommen auf der teuren französischen Autobahn gut voran. Wir können allerdings die Kassierer nicht überzeugen, daß unser Auto ein Minibus ist, so müssen wir den teureren Tarif für ein Campingfahrzeug zahlen. Wir fahren weiter Richtung französische Alpen und verlassen die Autobahn möglichst nicht, um Schaltvorgänge zu vermeiden. Kurz vor Marseille ist dies aber doch nötig, da die Autobahn hier noch nicht durchgängig ausgebaut ist. Ich fahre mit möglichst wenig Schaltvorgängen durch die Kreisverkehre, es klappt recht gut, aber manchmal kracht es doch im Getriebe. Wir fahren in vielen Windungen wieder auf die Autobahn, müssen wieder einen Mautzettel ziehen. Nach zwei Minuten kommt schon die Zahlstelle. Umgerechnet 5.- DM will man für die paar Kilometer haben. Unverschämt! Damit nicht genug: Direkt hinter der Mautstelle winkt uns ein Zöllner heraus, Zollkontrolle! Wir sind mitten in Frankreich. Jaja seit 1. Januar offene Grenzen in Europa, dafür sind jetzt schon mitten im Land Wegelagerer. Die Zöllner sind nicht besonders freundlich, fassen alles an, grabbeln Heike in die Hosentasche und mir auch. Als sie erfahren, daß wir aus Marokko kommen lassen sie ihren Köter durchs Auto springen, auch über das Bett. Heike ist ziemlich wütend und zeigt das recht offen. Man läßt uns dann auch schnell wieder fahren, aber das war schon die zweite unangenehme Begegnung mit europäischen Zöllnern. Wir sind beide enttäuscht und denken an die freundliche Marokkaner zurück.

Wir fahren weiter in die französischen Alpen. Die südländische Landschaft hört auf, draußen wird es kalt. Langsam kommen die Alpen in Sicht. Es wird dunkel. Die Autobahn ist zuende, wir fahren Landstraße, immer weiter ins Gebirge hinein. Den Ort den Nicole, die wir bei ihrer französichen Gstfamilie besuchen wollen, angegeben hat (serre ch&ecute;valier) ist irgendwie nicht richtig auf der Karte eingezeichnet. Wir fragen einen Mann, der erzählt irgendwas von "grande montagne" zeigt in alle Richtungen, ist aber auch nicht in der Lage uns weiterzuhelfen. Wir kommen an einer Informationstafel mit Landkarte vorbei. Darauf erkennen wir, das "serre ch&ecute;valier" ein Berg bzw. Gebirgszug ist. Nachdem wir einige Zeit gesucht haben, finden wir dann doch noch den richtigen Ort. Wir suchen uns ein schönes Plätzchen im Schnee, parken dort und kochen Spaghetti-Carbonara. Nachts wird es nur -14° C, obwohl wir uns wie in der kalten Nacht im Antlas-Gebirge auch auf 1600 m Höhe befinden, aber gutes Stück weiter nördlich sind.


In den winterlichen französischen Alpen1.2.1995 Sven berichtet:
Am nächsten Morgen fahren wir auf den zentralen Parkplatz des Dorfes, um dann zum Bäcker zu gehen. Natürlich fahre ich mich auf dem verschneiten Parkplatz fest. Mit Schieben und freischaukeln komme ich auch nicht los. Also kommt Heike ans Steuer, unter das durchdrehende Rad kommt ein Brett, und ich schiebe den Bus dann los. Das Brett fliegt nach hinten weg, genau in einen kleinen Fluß hinein und verschwindet auf Nimmer- wiedersehen, aber der Bus kommt los.

Wir frühstücken und suchen dann ein Münztelefon, weil wir keine Telefonkarte kaufen möchten. Wir gehen durch verschiedene Gaststätten, aber keine hat ein funktionierendes Münztelefon. Also kauft Heike doch eine Karte, um ein Ortsgespräch zu führen, und ruft Nicole an.

Nicole holt uns sogleich ab, wir gehen zurück zu dem Haus wo ihre Au-Pair-Familie ihre Ferien verbringt. Die Familie hat das Haus zusammen mit zwei weiteren Familien, sowie den Großeltern gemietet. Sie kommen dann auch bald vom Ski fahren zurück und wir dürfen sogleich mit ihnen zu Mittag essen.

Nachmittags gehen wir mit den Kindern und der Großmutter spazieren. Abends nehmen wir an der allgemeinen Mahlzeit teil, irgendwie empfinden Heike und ich das als etwas unangenehm, ständig die ganzen Familien um uns zu haben. Deshalb gehen wir nach dem Essen noch mit Nicole in eine crˆperie, trinken etwas und unterhalten uns.

Heike und ich wollen noch heute abend wieder los fahren. Da wir ja ein defektes Getriebe haben, wollen wir noch etwas Zeitpuffer haben. Wir fahren mitten in der Nacht los, und wollen möglichst auf einer Paßhöhe übernachten. Obwohl wir immer höher fahren, wird es kaum kälter, die Temperatur ist nur knapp unter dem Gefrierpunkt. Als ich einen als Nachtlager vielversprechenden Weg in einer Kehre sehe, fahre ich hinein. Leider ist er spiegelglatt und geht leicht bergauf. Ich komme nicht weiter und muß rückwärts wieder raus. Da ich nichts sehe, schicke ich Heike nach draußen, damit sie mir sagt, wie ich fahren soll. Das tut sie auch, fängt auf einmal aber fürchterlich an zu schreien. Ich weiß erst überhaupt nicht was los ist. Sie ist mit einem Bein ausgerutscht und fast unter das Vorderrad geraten, Da ich ganz ganz langsam fuhr konnte sie das Bein gerade noch wegziehen. Sie war völlig fertig, auch ich habe mich sehr erschrocken, als mir klar wurde, was da fast passiert wäre. Wir fahren noch ein Stück und campen dann auf einem Parkplatz am Straßenrand immer noch im tiefen Schnee...


2.2.1995 Sven berichtet:
Wir fahren morgens los, obwohl nicht viel Verkehr ist, befinden wir uns auf einmal in einem riesigen Stau. Nichts geht mehr. Nach ca. zehnminütiger Wartezeit setzt sich die lange Autoschlange auf einmal in Bewegung. Weiter vorne ist eine Baustelle mit Ampel, die den Verkehr immer nur in eine Richtung durchläßt. Die Ampelphase ist unheimlich lang. Wir finden noch eine superbillige Tankstelle bei einem Supermarkt und kaufen auch gleich noch ein paar Kleinigkeiten.

Weiter geht es Richtung Schweiz. Der kürzeste Weg nach Hause führt über die Schweiz. Leider werden wir in der Schweiz eine Autobahnvignette kaufen müssen. Landstraße wollen wir mit dem schlecht zu schaltenden Getriebe lieber nicht fahren. So müssen wir dann an der Grenze 50.- DM berappen. Den Aufkleber zieht man auch gleich ab, so daß wir eigentlich gezwungen sind, ihn von innen auf die Windschutzscheibe zu kleben. Wir befeuchten aber die nicht klebrige Seite und kleben ihn falschherum an die Scheibe. Fällt überhaupt nicht auf und die Vignette ist wiederverwendbar.

Es regnet. Unser schöner Saharasand wird abgespült. An einem Rastplatz halten wir an. Da wir in der Schweiz nicht tanken wollen, fülle ich den 20 Liter Reservekanister ins Auto. Bald schon sind wir in Deutschland. Wir haben beide unheimlich Appetit, chinesisch Essen zu gehen. Wir fahren nach Freiburg. Erst wechsle ich bei einer Bank noch meine verbliebenen Travellerschecks ein, da ich sonst kein Geld mehr habe. Wir kurven umher, aber finden keinen Chinesen. Heike will noch telefonieren. Wir finden immerhin eine Telefonzelle und auch direkt dort einen Parkplatz. Als wir aussteigen, sehen wir, daß wir direkt vor einem chinesischen Restaurant stehen. Es sieht aber ziemlich edel aus, und wir ziemlich zerlumpt. Wir gehen trotzdem hinein und essen sehr gut. Danach rufen wir noch zu Hause an.

Weiter geht es auf der Autobahn. In der Nähe von Frankfurt übernachten wir auf einer Autobahnraststätte.


3.2.1995 Sven berichtet:
Am nächsten Morgen fahren wir los, nachdem Heike einen überteuerten Kaffee in der Raststätte getrunken hat. Kurz vor Frankfurt fahren wir noch einmal von der Autobahn, um Brötchen und Aufschnitt zu kaufen. Heike springt aus dem Auto und kauft ein, ich fahre noch einmal um den Block und sammle sie dann wieder auf. Wir frühstücken dann wieder im Auto während der Fahrt. Wir fahren schnurstracks nach Hamburg.

In Stellingen fahren wir von der Autobahn ab, um unsere Filme gleich zu Makro-Markt zum Entwickeln zu bringen. Dann fahren wir nach Hause nach Schenefeld. Beim Auspacken des Wagens bemerke ich eine große Öllache unter dem Auto. Außerdem ist das Heck voller Ölspritzer. Das Öl stinkt nach Getriebeöl. Das Getriebe ist hin!

- ENDE -
Du bist Leser Nummer seit dem 15.11.1997

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